Die Abi-Gottesdienste werden vorbereitet - ein Beitrag von Angela Rietdorf
Wünsche, Träume, Erwartungen

Im Stiftisch-Humanistischen Gymnasium hat sich eine Gruppe von Abiturientinnen in der Bibliothek versammelt. Sie bereiten ihre Abschlussfeier vor, aber dafür müssen sie kein Bier bestellen und keine Säle mieten – dieses Komitee plant den Gottesdienst, mit dem ihre dreizehnjährige Schullaufbahn enden wird.

Den sechs Abiturientinnen zur Seite stehen die Fachleute: ihr Religionslehrer Blau, Pfarrer Wolfgang Bußler von der katholischen Pfarre St. Vitus und Pfarrer Wolfgang Hess von der evangelischen Christuskirchengemeinde. Auf ein Motto für den Gottesdienst haben sich die sechs jungen Frauen schon geeinigt: „Du fällst nie tiefer als in Gottes Hand.“ Auch ein Bild steht schon fest: ein Flugzeug soll den Start ins Neue, aber auch Ungewisse symbolisieren. Jetzt wird eine passende Bibelstelle gesucht und schließlich bei Jesaja gefunden.

Die Abiturientinnen sind aus unterschiedlichen Gründen in diesem Komitee gelandet, doch der Gottesdienst zum Abschluss ihrer Schulzeit bedeutet allen etwas. „Es ist einfach wichtig, noch einmal über alles nachzudenken“, erklärt Hanna Bolzenius. Und Gottes Segen für eine Zukunft, die neu und spannend, aber auch unsicher und ungewiss ist, wünschen sich die Abiturientinnen.

So wie am Stiftisch-Humanistischen Gymnasium werden derzeit an den meisten Schulen der Stadt die Abschlussgottesdienste vorbereitet. Kirche ist präsent im schulischen Leben: zu Beginn, zu den großen christlichen Feiertagen und zum Abschluss. Traditionell ist dieser Bezug natürlich besonders stark an konfessionellen Schulen wie der Bischöflichen Marienschule. Doch obwohl in katholischer Trägerschaft wird auch hier viel Wert auf die Zusammenarbeit mit den evangelischen Kollegen gelegt.

„Wir bereiten gerade die Predigt für die Festmesse zum Abitur vor“, beschreibt Klemens Kölling, Religionslehrer und Diakon, die ökumenische Kooperation. „Es wird wie in den vergangenen Jahren auch eine Dialogpredigt, in der wir lebendig aufeinander reagieren.“ Pfarrer Werner Beuschel, der die evangelische Seite vertritt, freut sich über die geglückte Ökumene vor Ort: „Dass der evangelische Pfarrer in das Leben einer bischöflichen Schule derart eingebunden ist, ist eine mich bereichernde Erfahrung.“ Die entstehende Dialogpredigt empfindet er als „hochspannende Angelegenheit“. Die Vorbereitung des Gottesdienstes liegt auch hier in den Händen eines Abiturienten-Komitees: Texte, die zurück und nach vorn schauen, werden entwickelt, Fürbitten formuliert, Eltern und Lehrer eingebunden. Und Ende Juni werden rund 150 Abiturienten mit ihren Schulfahnen durch das Hauptportal des Münsters einziehen, begleitet vom katholischen und evangelischen Seelsorger – um zurückzublicken, aufzubrechen, loszulassen und doch festzuhalten, was ihnen wichtig ist.

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