Engagement für Gerechtigkeit fördern
Bündnis für soziale Gerechtigkeit in Mönchengladbach

In Europa erleben wir den Kapitalismus pur. Dies wird deutlich an den Auswirkungen, unter denen die Arbeitnehmer in den Betrieben und Unternehmen zu leiden haben: massiver Druck auf die Löhne, erhöhte Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, völlige Deregulierung und Flexibilisierung. Die Wirtschaft ist nicht mehr für den Menschen da, der Mensch steht nicht mehr im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handels. Die Maxime heißt: Gewinnmaximierung.

Gleichzeitig werden die Arbeitslosen und materiell Armen zusätzlich an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Es wird unterstellt, nicht nur an den Stammtischen, dass sie nicht arbeiten wollen und über eine verbesserte Vermittlung dürch die Arbeitsagentur und angepasste Arbeitslosenhilfe in Arbeitsstellen „gezwungen“ werden müssten. Faktisch ist aber für die meisten keine Arbeit da! Und das Arbeitslosengeld II bedeutet für viele ab 1.1.2005 weitere massive finanzielle Einschränkungen. (siehe Fallbeispiel unten)

Der paritätische Wohlfahrtsverband rechnet vor, dass das Einkommen von 1,7 Millionen Menschen schlagartig auf Sozialhilfeniveau gedrückt wird. Vor allem Kinder und Jugendliche werden Leidtragende dieser Reform sein. Sie sind nicht nur besonders häufig von Sozialhilfeabhängigkeit betroffen, sondern auch überproportional bei der Arbeitslosenhilfe vertreten. In der Presseerklärung heißt es: „Die Zahl der Minderjährigen in den betroffenen Haushalten würde auf 1,5 Millionen ansteigen. Fast jedes 10. Kind wäre damit Leistungsbezieher auf Sozialhilfeniveau.“ Der Verband kommt zum Fazit: „Die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe auf dem Niveau der Sozialhilfe bedeutet, zusätzlich zu den schon vorhandenen 2,8 Millionen Sozialhilfebeziehern weitere 1,7 Millionen Menschen in die Armut zu schicken.“

Auf der anderen Seite jedoch vermehrt sich der Reichtum ins unermessliche. Manager erhalten oft unverhältnismäßig hohe Einkommen und Abfindungen. Die großen Vermögen verdoppeln sich innerhalb kürzester Zeit. Die Individualisierung und Globalisierung lässt eine Soldarisierung gegen diese Entwicklungen nicht zu. Und trotzdem wäre es notwendig, dass die Menschen sich wehren. Dies kann geschehen vor Ort, in dem „Räume“ zur Solidarisierung angeboten werden. Hier kann Engagement für mehr Gerechtigkeit gefördert werden, wenn die konkreten Anliegen und Probleme im Wohnviertel oder Stadtteil einen Platz haben. Hier kann man mit vielen Menschen „guten Willens“ Möglichkeiten der Veränderung entwickeln und versuchen, diese umzusetzen.

Diese Initiativen aufzugreifen und zu fördern ist Aufgabe von Kirche, von Gemeinde vor Ort. Die Anliegen darüber hinaus zu vertreten ist dann möglich in einem „Bündnis für soziale Gerechtigkeit in Mönchengladbach“ in ökumenischer Kooperation und mit Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden oder Gruppen wie Attac. Diese Kooperation gibt es bereits. Wir müssen sie mit Leben füllen.
Johannes Eschweiler, Referent für Beriebspastoral

Aufruf (ein neues Fenster öffnet sich!)

Fallbeispiel: Ehepaar 56 und 54 Jahre, keine Kinder. Beide haben nach 40 bzw. 36jähriger Beschäftigung ihre Arbeit vor 3 Jahren durch betriebsbedingte Kündigung verloren. Für ihre selbst genutzte Eigentumswohnung haben sie folgende Kosten: mtl. 260 Euro für Tilgung, 88 Euro für Zinsen und 211 Euro für Nebenkosten inkl. Heizkosten. Bis zum 31.12.2004 beziehen sie Arbeislosenhilfe: der Ehemann 740 Euro, die Ehefrau 620 Euro. Ab dem 01.01.2005 erhalten sie Arbeitslosengeld II: der Ehemann Regelleistung 311 Euro, die Ehefrau Regelleistung 311 Euro und Unterkunftskosten (88 +211) 299 Euro. Die Kosten für die Tilgung von mtl. 260 Euro werden als Unterkunftskosten nicht anerkannt, weil die Tilgungskosten der Vermögensbildung dienen. Einkommensverlust 439 Euro = ca. 32,25 %.
Jürgen Bahr, Arbeitslosenzentrum MG e.V., Juni 2004

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