Die Diakoniestation feiert ihren 25. Geburtstag
Man muss den ganzen Menschen sehen....

Vor 25 Jahren, 1978, fing es an mit zwei Schwestern und einer Patientin: die Diakoniestation wurde gegründet. Bald waren es zehn Gemeindeschwestern, die neben ihrer Gemeindearbeit die Pflegebedürftigen in ihren Gemeinden versorgten. Gemeindearbeit und Pflege waren eng miteinander verknüpft, die Schwester kannte die Pflegebedürftigen und ihre Familien bereits, man war einander vertraut.

Die Anzahl der Patienten wuchs stetig an, und die der Gemeindeschwestern nahm stetig ab, so dass die verbliebenen Gemeindeschwestern alleine den Bedarf nicht decken konnten. Somit war die Diakoniestation auch „normalen“ Pflegern und Pflegerinnen offen, nicht mehr nur den Gemeindeschwestern.

Früher, in der „guten alten Zeit“, brauchten die Schwestern nicht auf die Uhr zu schauen. Es war immer Zeit für ein gutes Gespräch, über Wirtschaftlichkeit brauchte sich niemand Gedanken zu machen. Heute diktieren die Kranken- und Pflegekassen mit einem ausgeklügelten System von Punktwerten und Leistungsgruppen die Preise und somit den Zeitfaktor. Be-triebswirtschaftliches Denken ist angesagt, um am Markt bestehen zu können. Doch dadurch lassen sich die rund 20 Pflegekräfte der Diakoniestation nicht die gute Laune verderben. Schon früh am Morgen sieht man die Schwestern und Pfleger in den kleinen blauweißen Diakoniewagen durch die Vitusstadt flitzen, um rechtzeitig ihre Patienten zu versorgen.

So auch Schwester Sabrina, sie ist seit 6:30 Uhr unterwegs. Angefangen hat sie bei Herrn M., der „seine“ Schwester strahlend empfängt. Bei ihm wird Blutzucker kontrolliert, Insulin verabreicht und der Medikamentendosierer für die Woche gerichtet. Außerdem erinnert sie ihn daran, daß er heute einen Arzttermin habe. Herr M., 83, ist bereits recht vergesslich und hat keine Angehörigen mehr. „ Wir sind häufig der einzige Kontakt morgens und abends.“ Auf dem Weg zum nächsten Patienten, Herrn D., springt sie schnell beim Bäcker rein, um Herrn D., der mit seinem offenen Bein nicht mehr gut zu Fuß ist, zwei Brötchen mitzunehmen. Er bekommt Insulin verabreicht und den Verband gewechselt. Um zur nächsten Patientin, Frau V., zu gelangen, muß sie sich von der Stadtmitte nach Hardt durch dicksten Berufsverkehr quälen. Das dauert! Schnell noch die Zeitung aus dem Briefkasten mit raufge-nommen, schließt Schwester Sabrina die Türe zu Frau V.’ s Wohnung auf. Sie zieht ihr die Kompressionsstrümpfe an und stellt dabei fest, dass eine Fußpflege mal wieder fällig wäre. „Ja, ja, Schwester, Sie denken aber auch an alles! Würden Sie da vielleicht für mich anrufen, Sie wissen ja, ich kann das nicht mehr so gut.“ Als Schwester Sabrina dann um die Mittagszeit im Büro ankommt, hat sie noch vier weitere Patienten versorgt und dabei eine Patientin getröstet, die weinte, weil sie sich so einsam fühlte. Einer anderen hat sie den gelben Sack auf die Straße gestellt. „Man muss den ganzen Menschen sehen und nicht nur sein Krankheitsbild, das Menschliche ist mir besonders wichtig. Und wenn ich dann in ein lächelndes, zufriedenes Gesicht schaue, dann gibt auch mir das eine große Zufriedenheit, dann ist auch meine Welt in Ordnung.“

Damit die Pflegekräfte nicht nur mit der Uhr im Nacken ihrer Arbeit nachgehen und eben all die kleinen Handreichungen und Gespräche möglich sind, gibt es den „Diakoniecent“, der von den Gemeinden an die Diakoniestation gezahlt wird, damit auch die diakonischen Aufgaben gewährleistet sind, die über die von der Pflegekasse gewährleistete Pflegestufe hinausgehen. Denn die Diakoniestation möchte auch nach 25 Jahren weiterhin ihren diako-nischen Ansprüchen gerecht werden. An dieser Stelle sei den Gemeinden nochmals Dank für ihren Beitrag ausgesprochen.

Die Mitarbeiter der Diakoniestation würden sich freuen, mit Ihnen gemeinsam ihr 25-jähriges Bestehen feiern zu können. Zu diesem Anlass findet am Sonntag, dem 21. Dezember 2003, 10:00 Uhr, ein Festgottesdienst in der Christuskirche statt. Anschließend wird zu einem Empfang im Haus Zoar mit einem kleinen Imbiss eingeladen.

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