Von der Christuskirche zur Christuskirche
Die neue Kirchenmusikerin: Astrid Dichans

Der Arbeitsplatz auf der Orgelbank der Christuskirche ist wieder dauerhaft besetzt. Astrid Dichans heißt die Neue, die sich als Kirchenmusikerin mit B-Diplom für die Gemeinde laut Arbeitsvertrag 9,5 Stunden wöchentlich engagiert. Die 35jährigen Gladbacherin ist verheiratet mit Herbert Dichans, und der eineinhalbjährige Sohn René bekommt bald ein Geschwisterchen. Mit Frau Dichans sprach Werner Beuschel.

Frau Dichans, erinnern Sie sich noch an die Anfänge Ihrer Kirchenmusikerinnenkarriere?
Ja, ganz gut, auch wenn sie mittlerweile einige Jahre zurückliegen. Mit 17 Jahren spielte ich erstmals in der Friedenskirchengemeinde die Orgel, zuerst nach einzelnen Diensten bezahlt, später dann mit einem festen Vertrag. Als ich anfing, beherrschte ich noch nicht das Spiel mit dem Pedal. Für die Truhenorgel im Dietrich-Bonhoeffer-Haus war das auch nicht nötig, und in der Friedenskirche ließ ich das Pedal einfach in Ruhe.

Wie kommt ein 17jähriges Mädchen dazu, sich auf eine Orgelbank zu setzen?
Es war mein Musiklehrer am Hugo Junkers-Gymnasium, der mich auf den Organistendienst angesprochen hat, Wolfgang Hildemann. Ich sang damals in seinem Schulchor mit. Er vermittelte die Anfrage eines Lehrerkollegen, eines Presbyters der Friedenskirchengemeinde.

Und dann griffen Sie erstmals in die Orgeltasten.
Nicht so ganz. Schon mit 12 Jahren bekam ich eine elektronische Orgel geschenkt, und ich lernte schnell, das Instrument zu spielen. Bis zur Kirchenmusik war’s dann noch ein großer Schritt, aber interessiert hat mich diese besondere Form der Musik schon lange.

Die Anfrage von Wolfgang Hildemann fand also bei Ihnen die entsprechende Resonanz.
Richtig. Er brachte mich dazu, die C-Prüfung zu machen. Beruflich wollte ich ja sowieso etwas mit Musik machen. Und so stellte ich mich der entsprechenden Aufnahmeprüfung an der Düsseldorfer Kirchenmusikschule. Die bestand ich auf Anhieb, und nach vier Semestern und abgelegter C-Prüfung studierte ich noch acht Semester an der Robert Schumann-Hochschule.

Und hatten dann das B-Examen in der Tasche: die Voraussetzung, um sich nach einer entsprechenden Stelle umzusehen.
Eine Stelle hatte ich schon während meines Studiums, und zwar in St. Tönis. Das war eine volle C-Stelle mit Chor und Kinderchor neben den Organistendiensten.

Wie hieß denn dort die Kirche?
Christuskirche! Ist ja schon irgendwie witzig: ich bin von der Christuskirche zur Christuskirche gewechselt. Die Stelle hier in Mönchengladbach ist für mich maßgeschneidert. Ich muss nicht mehr so viele Kilometer zurücklegen bis zum Arbeitsplatz, außerdem habe ich auch etwas mehr Zeit für die Familie.

Wo schlägt als Kirchenmusikerin Ihr Herz besonders?
Besonders mag ich die Chorleitung, sie ist so etwas wie mein Steckenpferd. Ich mag es, mit Menschen zusammen zu sein und mit ihnen etwas zu erarbeiten. So leite ich neben meiner Arbeit in der Christuskirche noch den Frauenchor Gerkerath und den Männerchor Melodie Hardt. Demnächst möchte ich in der Gemeinde einen Jugendchor ins Leben rufen.

Und was macht für Sie den Reiz des Orgelspiels aus?
Improvisation ist meine Leidenschaft. Beim Orgelnachspiel zum Beispiel gebe ich gerne meine Emotionen musikalisch weiter, die sich bei mir während des Gottesdienstes eingestellt haben. Da finde ich es manchmal schade, wenn die Leute schon während des Nachspiels die Kirche verlassen.

Welches Projekt würden Sie gerne mal an der Orgel in Angriff nehmen?
Da muss ich nicht lange überlegen. Es ist die Toccata von Charles Marie Widor. Gleich mehrere Aufnahmen davon habe ich schon zu Hause. Aber gespielt habe ich das Stück noch nie. Mein Mann hat mich jetzt überrascht: er schenkte mir die Noten für dieses wunderbare Werk. So gratulierte er mir zur neuen Stelle.

Mittlerweile haben Sie ja schon einige Erfahrungen gesammelt in Ihrer neuen Gemeinde. Welche würden Sie besonders nennen?
Besonders schön fand ich das Weihnachtskonzert mit dem Coro Cantilaenae. Der Chorleiter Wilfried Wachten hatte eine Zusammenarbeit angefragt, und die klappte auch ausgezeichnet. Im Coro Cantilenae kam ich übrigens schon vorher unverhofft zu einem Einsatz als Sängerin: als vor einem Gottesdienst eine Sopranistin ausfiel, sprang ich selbstverständlich und gerne ein.

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