Ein Beitrag von Werner Beuschel
Fußballfieber 2006

Fussball

Was ich noch zu sagen hätte angesichts einer Weltmeisterschaft, die in Deutschland und vielen weiteren Ländern für Fan-Fieber sorgt? Was ich noch zu sagen hätte als einer, der selber mit großem Vergnügen gegen den Ball tritt? Was ich noch zu sagen hätte als Gründer der Pfarrerelf „FC Himmelsstürmer“? Es ist folgendes:

1) Bedenke: Fußball ist die Abkürzung für Fußballspiel. Im Spiel verwandelt sich der Ernst des Lebens. Er verschwindet nicht, er verwandelt sich. Und so gehören zum Fußball auch eine gewisse Ernsthaftigkeit und natürlich das Leben selber. Auf spielerische Weise! Das macht den Sport so faszinierend.

2) Spiel heißt beim Fußball: Zusammenspiel. Ein Rastelli, der einem Zirkuspublikum seine Ballkünste vorführt, ist kein Fußballer. Dafür fehlen ihm zehn Leute in der eigenen Mannschaft und die elf der gegnerischen. Auch die Spieler der gegnerischen Mannschaft sind Mitspieler.

3) Fußball fordert jede Faser meines Körpers. Deshalb ziehe ich diese Ballsportart den bewegungsärmeren Spielen vor. Auch wenn der Tag nach dem Spiel tierisch beginnt – der Muskelkater weist doch darauf hin, dass in mir das Leben pulsiert.

Fußballschuhe4) Fußball ist wie das übrige Leben eine leidenschaftliche Angelegenheit. Jedenfalls sollte es so sein, oder sagen wir: so sollte es auch sein. Beim Fußball kann ich aus mir herausgehen, sollte aber nicht neben mir stehen. Da gehört nur der Spieler hin, den ich in Manndeckung zu nehmen habe. Vorsicht: wer leidenschaftlich aus sich herausgeht, fährt vielleicht auch mal aus der Haut. Die Rückkehr in dieselbe kann peinlich garniert sein, mit einer gelben oder roten Karte zum Beispiel.

 

5) Die Regeln des Fußballs sind bekannt. Auslegungsfragen sind nur im Einzelfall delikat, auch wenn man sich über Schiedsrichterentscheidungen unterhalten und vielleicht sogar aufregen kann. Beachte die Regeln, denn ein ungeregeltes Fußballspiel führt ins Chaos wie andere ungeregelte Angelegenheiten des Lebens das ebenfalls tun können.

6) Neben den Regeln als den geschriebenen Gesetzen gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Die Engländer benennen es in ihrer Sprache: fair play. Die Variante des Jesus von Nazareth heißt: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. (Matthäus 7,12).

Fußball7) Zum Spiel als Zusammenspiel gehört auch, dass ich nicht nur den Blick für den Mitspieler habe, sondern auch höre. Wenn in der Hitze des Gefechtes die innere Stimme des Gewissens nicht so recht durchdringt zu Klein- und Großhirn, dann gelingt das vielleicht der Stimme meines Mitspielers. Fair play sollte sich zwar von selbst verstehen. Aber wenn es dann doch noch auf Ansage hin funktioniert, ist es auch in Ordnung.

8) Unter der Dusche, spätestens bei der so genannten dritten Halbzeit mit einem kühlen Getränk zur Hand sollten Wettkampf und Wettstreit vergessen sein. Die verwandelnde Kraft des Spiels macht sich auch bemerkbar in Witzen, flapsigen Bemerkungen und dem gelösten Lachen. Der Ernst des Lebens erwartet einen noch früh genug.

9) Zum Spiel gehört auch die Möglichkeit der Niederlage. Darauf muss der gefasst sein, der sich aufs Spiel einlässt. Natürlich sollten erst mal alle Gedanken und jeglicher Einsatz dem Sieg gelten. Eine Niederlage –auf dem Platz wie im übrigen Leben- ist aber nicht das endgültige Aus. Im Gegenteil: „Selig sind, die unterliegen und verlieren können, denn dann kann der Herr gewinnen.“ (Bischof Klaus Hemmerle)

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