Die Finanzkirchmeister informieren
Der Spielraum ist denkbar gering
Ilse
Harff, Finanzkirchmeisterin der Friedenskirchengemeinde:
Es
ist ja inzwischen allgemein bekannt und die Medien berichten fast
täglich darüber, dass die Kassen unseres Staates durch niedrigere
Steuereinnahmen (dies u.a. bedingt durch höhere Arbeitslosenzahlen
und Rückgang der Gewinne vieler Unternehmen) deutliche Defizite
aufweisen. Auch für die Kirchen ist ein deutlicher Einnahmenrückgang
bei den Kirchensteuern zu verzeichnen.
Das gilt auch für unsere Kirchengemeinde, wobei hinzu kommt,
dass die Anzahl unserer Gemeindeglieder in den letzten 10 Jahren von
10.233 auf jetzt 9.248 zurückgegangen ist, das sind 985 Menschen
weniger und entspricht einem Rückgang von 9,5 %. Und es ist völlig
klar, dass diese Zahlen künftig noch niedriger werden, und das
wirkt sich natürlich auch auf die Kirchensteuereinnahmen unserer
Gemeinde aus.
Um unseren Haushalt für das Jahr 2003 auszugleichen, müssen
wir wieder tief in unsere Tasche greifen, d.h. die Ersparnisse aus
den früheren Jahren stark plündern. Die Haushaltssicherungsrücklage
wird – wenn die Zahlen am Ende des Jahres 2003 tatsächlich
so aussehen, wie wir jetzt geplant haben – um 84.640 Euro verringert
werden. Auch die Ausgaben für die Bauunterhaltung der kircheneigenen
Gebäude, für die wir 58.000 Euro benötigen, können
wieder nicht aus dem laufenden Haushalt genommen werden, sondern hier
ist ebenfalls ein Rückgriff auf die entsprechende Rücklage
erforderlich. Darüber hinaus schmälern wir unsere Rücklagen
weiterhin, weil wir eigentlich die Zinseinnahmen aus diesen Beträgen
den jeweiligen Rücklagen zuführen sollten, was aber auch
im Jahre 2003 wieder weitgehend nicht möglich sein wird. Auch
dadurch entsteht letztlich eine Beeinträchtigung unserer Rücklagen
um 53.950 Euro.
Zurzeit ist noch kein Überblick über das Jahr 2002 möglich,
denn bei Erstellen dieses Berichts fehlten die Dezember-Kirchensteuereinnahmen,
die ja bekanntlich recht hoch sind. Aber wenn unsere Einnahmen und
Ausgaben der Jahre 2002 und 2003 unseren Planzahlen entsprechen, werden
unsere Gesamtrücklagen insgesamt um fast ein Viertel reduziert.
Das macht natürlich dem Presbyterium zunehmend Kopfschmerzen
und kann auf Sicht nur zu einem finanziellen Dilemma führen.
Aus diesem Grunde beschäftigen wir uns seit fast einem Jahr sehr
intensiv mit den Fragen: Welche Aufgaben unserer Kirchengemeinde wollen
und sollten wir in den nächsten Jahren fortführen? Wo setzen
wir Akzente? Sind noch alle vier Gemeindezentren finanzierbar? Worauf
müssen wir gegebenenfalls verzichten?
Diese Überlegungen nehmen einen breiten Raum ein und berühren
die Mitglieder des Presbyteriums sehr, denn am liebsten würden
wir ja so weiterarbeiten wie bisher und auf jede Veränderung
verzichten. Aber das geht einfach nicht und wir möchten Sie bitten,
die Überlegungen und Pläne des Presbyteriums kritisch und
aufgeschlossen zu begleiten. Wir stehen sicherlich vor einschneidenden
Veränderungen – aber das ist ja auch eine Chance, die wir
zunächst positiv sehen sollten, und die uns vielleicht Mut macht,
neue Wege zu gehen.
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