Ein Beitrag von Lothar Beckers und Werner Beuschel, Fotos von H.D.Kluge
50.000 evangelische Christen - alle unter einem Dach!

Die Stadt Mönchengladbach in den heutigen Grenzen gibt es schon seit 1975. Nach 33 Jahren schreiten am 12.01. 2008 auch die acht evangelischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet zur Gründung eines neuen Gemeindeverbandes für den gesamten Stadtbereich. Der neue Gemeindeverband wird 50.000 evangelische Gemeindeglieder repräsentieren.

Im Haus Zoar trafen sich am 24.10. 2007 Vertreter der acht Presbyterien von Friedenskirche, Christuskirche, Großheide, Hardt, Odenkirchen, Rheindahlen, Rheydt und Wickrathberg zum Gedankenaustausch über mit der Neugründung verbundene Fragen und Erwartungen. In seiner Betrachtung zur Präambel der Satzung des neuen Verbandes (1.Kor. 12, 12) stellte Pfr. Wolfgang Hess die alte reformatorische Frage: „Sind wir noch auf dem richtigen Weg?“ Die düsteren Prognosen bis zum Jahre 2030 mit einem Rückgang der Gemeindegliederzahlen um ein Drittel und einer Reduzierung der Finanzen um 50 Prozent bezeichnete er „als geistliche Herausforderung“, die der neue Gemeindeverband annehmen muss. Nach einem regen Austausch der Anwesenden in einer herzlichen Atmosphäre fand der Superintendent des Kirchenkreises, Pfr. Hermann Schenck, ermutigende Worte für die Anwesenden, auf dem beschrittenen Weg der geistlichen Einheit in Vielgestaltigkeit weiterzugehen.

Pfarrer Werner Beuschel sprach mit dem Rheydter Gemeindepfarrer Olaf Nöller über den langen Weg vom Sprecherrat bis zur Gründung des neuen Gemeindeverbandes.

Der Verband Evangelischer Kirchengemeinden in Mönchengladbach ist vom Sprecherrat so zu sagen ins Leben gerufen worden. Wie lange warst du dessen Vorsitzender?
Nöller: Gut drei Jahre als Nachfolger von Pfarrer Enno Smidt, der mich in einer schwachen Stunde rumgekriegt hat, das Amt zu übernehmen. Ich wusste nicht so recht, was mich erwarten würde.

Waren die Geburtswehen dieses neuen Verbandes leicht oder eher schwer?
Nöller: ‚Geburtswehen‘ ist, glaube ich, das falsche Wort. Es war eher eine Marathon-Schwangerschaft, die fast drei Jahre gedauert hat. Aber wie heißt es so schön: Was lange währt, wird endlich gut! Und der neue Verband, den wir 2008 aus der Taufe heben wollen, ist gut und wichtig. Darum hat`s sich gelohnt, so lange hin und her und auch im Kreis herum zu diskutieren. Jetzt sind ja alle acht Gemeinden bereit ins Boot einzusteigen.

Wozu eigentlich dieser Verband Evangelischer Kirchengemeinden in Mönchengladbach? Die Gemeinden sind doch bis jetzt auch so klar gekommen, und die übergeordneten Aufgaben wurden vom Kirchenkreis wahrgenommen.
Nöller: Gerade als reformierter Theologe bin ich davon überzeugt, dass es notwendig ist, dass die evangelischen Gemeinden unserer Stadt in „außenpolitischen Fragen“ zu einer gemeinsamen Willensbildung kommen müssen. Wir verlieren, wenn wir es nicht schaffen, in der Öffentlichkeit mit einer Stimme zu sprechen, um unsere gemeinsamen Interessen gegenüber der Politik, Stadtverwaltung und auch in der Ökumene zu vertreten, immer mehr an Bedeutung und Einfluss. Ein „Kirchturmsdenken“, das oft auch theologisch verbrämt wurde, ist heutzutage überholt. Das bedeutet freilich nicht, dass die Souveränität der Gemeinden und Presbyterien angetastet würde! Darauf lege ich großen Wert! Aber über den Tellerrand zu gucken, das müssen wir Evangelischen dringend lernen. Das ist auch eine geistliche Aufgabe, die von der Bibel her geboten ist!

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