Ein Beitrag von Andreas Rudolph
Weihnachten - ein Geschenk für dich!

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Und Schenken und Beschenktwerden macht (meistens jedenfalls) Freude und Freunde – das natürlich nicht nur zur Weihnachtszeit. Kleine Geschenke erhalten grundsätzlich die Freundschaft – privat, beruflich oder geschäftlich. Geschenke können Wege zu einander sein – oder auch zur peinlichen Stolperfalle werden. Schenken will eben auch gelernt sein, denn nicht jedes Weihnachtspräsent bereitet dem Anderen wirklich Freude. Neben die manchmal quälende Frage „Was soll ich nur schenken?“ tritt nämlich die ebenso wichtige Frage: „Wie schenke ich richtig an Weihnachten?“ Diese Frage ist deshalb so bedeutsam und schwierig, weil das Geschenk immer auch etwas über mich aussagt, über meine Beziehung zum Beschenkten. „Sag mir, wie du schenkst, und ich sag dir, wer du bist!“ Und da kommt dann bei manch gut gemeinten Geschenk manchmal keine rechte Freude auf, wie diese kleine Begebenheit schildert:

Der alte Mann im Altenheim wunderte sich: Eben hatte ihm die Schwester ein Paket gebracht, ein Weihnachtspaket, in buntem Papier, fein verschnürt. Er öffnete es mit zittrigen Händen, die ihm nicht mehr so recht gehorchen wollten. Oben auf lag eine vorgedruckte Weihnachtskarte, in die die Kinder ihre Namen geschrieben hatten und dann fand er wiederum schön verpackt allerlei Brauchbares: einen warmem Winterschal, ein paar Handschuhe, wollene Socken und einen Regenschirm. Alles aus dem Geschäft, das ihm einmal gehört und das er den Kindern überschrieben hatte. Er erkannte es an den Preisschildern, die noch an den Dingen klebten. Der alte Mann schaute sich alles an, die Tränen stiegen ihm in die Augen und dann stellte er das Paket dorthin, wo die alten Zeitungen lagen. Nehmen Sie es wieder mit, sagte er der erstaunten Schwester als sie später mit dem Mittagessen kam: da ist keine Liebe drin!

Gut gemeint – Ziel verfehlt: „da ist keine Liebe drin!“ Geschenke nur als Tauschhandel, als Verpflichtung oder Last können eben kaum von Herzen kommen, können keine Herzensgeschenke sein. Doch es geht auch überraschend anders – noch eine kleine Geschichte:

Die Geschichte beginnt vor langer Zeit, als ein Mann seine 5-jährige Tochter dafür bestraft, dass sie einen wertvollen Gegenstand verloren hat. Damals hatten sie nicht viel Geld. Es war gerade Weihnachten und am nächsten Tag brachte das Kind dem Vater ein Geschenk mit den Worten: „Das ist für dich!” Der Vater war zuerst sehr verlegen, doch dann ärgerte er sich sehr, als er sah, dass nichts in der Schachtel war. Er sprach in hartem Ton: „Weißt du denn nicht, dass wenn man schon ein Geschenk macht, auch etwas drin sein muss?” Das Mädchen schaute ihn von unten mit Tränen in den Augen an und sprach: „Es ist etwas drin, es ist voll mit meinen Küssen für dich!” Der Vater fühlt sich beschämt, geht in die Knie, umarmt sein Kind und bittet es um Verzeihung. Von nun an bewahrte der Vater die Schachtel immer neben seinem Bett auf und immer, wenn es ihm mal nicht so gut ging oder er Mut brauchte, dann öffnete er die Schachtel und nahm einen Kuss heraus.

In dieser Geschenkschachtel ist Liebe drin! Das ist ein Geschenk, das von Herzen kommt, ein wahres Herzensgeschenk, das nichts kostet und doch so unsagbar kostbar ist. Warum schenken wir überhaupt etwas? Wir haben doch eigentlich schon genug. Was brauchen wir wirklich? Neben all’ den Dingen, die in Päckchen verpackt sind, benötigen wir vor allem Zuwendung, Wertschätzung, Liebe. Der Brauch, einander zu beschenken, ist Ausdruck einer tiefen Sehnsucht, eines Verlangens, einem anderen zu bekunden, dass wir ihm oder ihr nahe sein wollen. Schenken hat etwas mit selbstloser Liebe zu tun. Eine solche Liebe fragt nicht nach Dank oder danach, was sie zurückbekommt. Sie schenkt aus Freude am Leben, aus Freude am Leben mit anderen. Ein Geschenk, das aus diesen Motiven gemacht wird, transportiert eine wichtige Botschaft: „Du bist mir wertvoll!“ Vielleicht ist es eine Kostbarkeit, vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber sie verrät mir auf jeden Fall, dass jemand an mich gedacht hat. Ich bin in seinen Gedanken, mehr noch in seinem Herzen präsent. In einem solchen Geschenk ist Liebe drin.

Joachim Ringelnatz sagte das auf seine unnachahmliche Weise einmal so: „Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor. Schenke mit Geist, ohne List. Sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist.“

Genau so beschenkt uns Gott: herzlich und frei, mit Geist, ohne List. Und Gott hat tatsächlich einen guten Geschmack. Was er schenkt, ist er selbst: „Ihr werdet ein Kind finden.“ Gott hat nicht gefragt, ob die Menschen das wert sind, ob sie es verdienen und überhaupt begreifen. Er hat auch nicht gefragt, ob vorher alle Probleme ausgeräumt, alle Tränen getrocknet sind, bevor man sich an seinem Geschenk freuen kann. Nein, Gott kommt mitten hinein in diese Welt. Er kommt als Kind. Das ist sein Geschenk, das „Geschenk aller Geschenke“. Als Kind bettelt er förmlich um unsere Zuneigung. Wie ein Kind, dem wir Liebe und Vertrauen schenken, möchte er von uns Menschen aufgenommen werden; wie ein Kind, dem wir Zeit und Raum zur Entfaltung geben; wie ein Kind, das das Leben der Eltern plötzlich in Beschlag nimmt.

Das ist der Sinn von Weihnachtsgeschenken: Wir sind beschenkt von Gott. Für mich ist das der wahre Grund zu schenken – herzlich und frei, geistvoll und ohne Hintergedanken, mit dem Wissen, dass in meinen Geschenken auch etwas von mir zum Vorschein kommt. So wie wir es in Johannes 3,16 lesen können: „Gott hat uns (und diese Welt) so sehr geliebt, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat. Deshalb sollen auch wir einander lieben und uns beschenken.“ Und diese Weihnachtsfreude kann man nicht auspacken, die muss man ins Herz einpacken, oder mit den eindrücklichen Worten von Phil Bosmans gesagt:

Weihnachten: nicht nur eine schöne Erinnerung an ferne Vergangenheit, sondern ein Geschehen, das weitergeht.
Lasst uns gemeinsam den Weg durch die Wüste unserer Zeit gehen. Säen wir rechts und links ein paar Blumen, hängen wir für Menschen in der Nacht ein paar Sterne an den Himmel. So bauen wir gemeinsam eine kleine Oase.
Jede Oase kann Bethlehem heißen, denn da wird die Liebe geboren. Mach’s wie Gott, werde Mensch!“

Service
Sie bereiten sich auf die Taufe oder die Konfirmation Ihres Kindes vor? Sie haben Eheschliessung und Trauung vor sich? Sie suchen Anregungen, Beispiele, Texte für die Gestaltung der Gottesdienste? Dann schauen Sie doch einmal in den Bereich Service.
Historisches
Beiträge zur Geschichte der evangelischen Gemeinden finden Sie hier. Neu ist ein Beitrag von Monika Hüttenberger zur Geschichte des evangelischen Friedhofs.

Dienste der Gemeinden
Die Seelsorge im Krankenhaus stellt sich vor!
Impressum und Feedback
Teilen Sie uns Ihre Anregungen und Ihre Kritik mit. Helfen Sie uns, diese Website besser zu machen. Der Austausch mit Ihnen ist uns wichtig. Weiter


Gottesdienste

Hinweise zu Ort und Zeit der Gottesdienste, zu den Predigern und den Themen.
Strassenverzeichnis
Sie sind neu zugezogen? Sie wissen nicht zu welcher Gemeinde Sie gehören? Das Strassenverzeichnis hilft Ihnen weiter!


Termine

Veranstaltungshinweise aus den Gemeinden.