Interview mit Dr. Jochen Mues, Presbyter der Christuskirchengemeinde
Gemeinde von morgen gestalten

Pfarrer Andreas Rudolph befragt Dr. Jochen Mues, 41 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder im Alter von fünf und vier Jahren sowie viereinhalb Monaten, von Beruf Jurist.

? Herr Dr. Mues, am 28. März 2010 sind Sie in einem Gottesdienst in der Christuskirche in Ihr Amt als Presbyter der Christuskirchengemeinde eingeführt worden. Wie sind Sie zum Presbyteramt gekommen?
! Sie, Herr Rudolph, sprachen mich an, ob ich mir vorstellen könnte, mich im Presbyterium zu engagieren. Nach reiflicher Überlegung sagte ich schließlich gern zu.

? Kirche, Gemeinde und Presbyterium sind Ihnen aus Ihrer Familiengeschichte und der Familiengeschichte Ihrer Frau ja kein völliges Neuland. Welchen Bezug hatten Sie in Ihrem bisherigen Leben zu Kirche, Gemeinde und Gemeindeleitung?
! Aufgrund mehrerer Umzüge war ich Mitglied in wechselnden Gemeinden. Jetzt lebe ich mit meiner Familie seit vier Jahren hier in Mönchengladbach / Ohler. Wir fühlen uns sehr wohl in der hiesigen Gemeinde, und es sieht auch sehr danach aus, dass ich beruflich meine Wirkungsstätte nicht mehr ändern werde. Meines Erachtens sind dies gute Voraussetzungen, sich etwas einzubringen.

? Was verstehen Sie darunter, ein „Presbyter“ zu sein?
! Eigentlich sollte ich wohl alt und weise sein, denn „presbýteros“ ist griechisch „der Ältere“. Sie werden mich nicht korrigieren, wenn ich meine, dass schon seit langem in den Presbyterien nicht mehr ausschließlich die „Kirchenältesten“ sitzen. Aber der Anspruch des Amtes wird weiter in der Bezeichnung „Presbyter“ deutlich: nämlich die Gemeinde im Kollegialorgan „weise“, das heißt aufgrund fundierter Entscheidungen, zu leiten. Ich hoffe, hierzu beitragen zu können.

? Was möchten Sie mit Ihrer Person und Ihren beruflichen Kompetenzen in das Miteinander der Gemeindeleitung einbringen und was möchten Sie durch Ihre Mitarbeit im Presbyterium bewirken?
! Beruflich habe ich viel damit zu tun, Probleme zu analysieren, rechtliche Lösungen zu erarbeiten und dabei als neutraler, unabhängiger Sachwalter für die Beteiligten da zu sein und gegebenenfalls zwischen ihnen zu vermitteln. Dies möchte ich auch bei meiner Arbeit als Presbyter einbringen.

? Bei welchen gemeindlichen Aufgabengebieten und Themen möchten Sie sich als Presbyteriumsmitglied in Zukunft besonders engagieren?
! Besonderes Interesse habe ich an der Ökumene. Als Nichttheologe frage ich mich immer mehr, warum die Unterschiede der beiden großen christlichen Konfessionen vor dem Hintergrund ihrer vielfältigen Gemeinsamkeiten und ihrer selben Wurzeln nicht überwindbar sind. Für immer wichtiger halte ich angesichts schwindender Kirchensteuereinnahmen zudem eine tragfähige Neuordnung der Kirchenfinanzen. Dies hängt auch eng mit kirchenorganisatorischen Fragen zusammen, also der Aufgabenverteilung zwischen den verschiedenen Kirchenuntergliederungen. Vielleicht sind auch andere als die bisherigen Finanzierungsformen denkbar, etwa ein zielgerichtetes Sponsoring bestimmter kirchlicher Aktivitäten. Schließlich kann ich vielleicht in rechtlichen Fragen Unterstützung leisten.

? Wie sehen Sie angesichts der vielerlei gesamtgesellschaftlichen Veränderungen das „Gemeindeleben von morgen“, wie sehen Sie die „Zukunft der Kirche“?
! Die Kirche sollte stärker auf die Jüngeren in unserer Gesellschaft, insbesondere die Jugendlichen und jungen Familien, zugehen und diese wieder mehr in das alltägliche Gemeindeleben integrieren. Zudem halte ich es angesichts schwindender Mitgliedszahlen für unbedingt erforderlich, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. An zu vielen Aufgaben und Aktivitäten wird sich unsere Kirche in dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Umfeld übernehmen.

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