Ein Beitrag von Barbara Aurelio
Die Artoklasia am Odeonsplatz berührt 10.000 Menschen

Wir kennen sie alle, die Stelle im Matthäus-Evangelium, als Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen die Fünftausend speist. Vielen dürfte diese Szene in den Sinn gekommen sein, als sie im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages in München am Odeonsplatz an der orthodoxen Vesper teilnahmen.

10.000 Menschen aller Konfessionen an 1.000 gedeckten Tischen, sie sangen, beteten und teilten einträchtig das Brot in den großen Körben. Viele müssen stehen bleiben. Die Presse spricht von ca. 14.000 Teilnehmern. Das Abendgebet nach orthodoxem Ritus schließt die feierliche Segnung von 1.000 Brotlaiben ein, die ausgeteilt und an den Tischen gebrochen werden. Der Bischof der orthodoxen Kirche in München spricht von einer Agape, von einem urchristlichen Liebesmahl. Aber den Teilnehmern wird das Symbol natürlich bewusst. Ähnlich wie den Emmaus-Jüngern brannte ihnen das Herz in der Brust: das Brotteilen auf dem Odeonsplatz in München ist die allen gemeinsame Erinnerung an das Wunder des Brotteilens, das Jesus bei der Speisung der Fünftausend vollzogen hat. Und es ist die Erinnerung an das Brotbrechen beim letzten Abendmahl: Tut dies zu meinem Gedächtnis! Schließt keinen aus! Jesus ist es, der alle zum Mahl einlädt! Und kein Christ darf von irgendeiner kirchlichen Gemeinschaft davon ausgeschlossen werden!

Ein überwältigender Eindruck: so viele Menschen unterschiedlicher Konfessionen an einem Tisch. Jeder hört die frohe Botschaft in seiner Sprache, so wie die Menschen in Jerusalem die Verkündigung der Apostel in ihrer jeweiligen Sprache, in ihrem jeweiligen Weltbild hörten. Und es tut so gut, andere Glaubensbilder anzusehen und zu schätzen, anstatt die Unterschiede zu suchen, das lateinische Wort dafür heißt übrigens: respektieren. Unvergesslich für alle Teilnehmer bleiben die Worte des orthodoxen Bischofs zum Abschied: Besucht euch gegenseitig!

Ein orangefarbenes Bändchen, auf das ich eher zufällig gestoßen bin, und zwar auf dem Messegelände beim Stand der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“. Auf dem Bändchen steht: „Gemeinsame Mahlfeier“. Dieses Bändchen habe ich mir gut sichtbar an meinem Mantel angeheftet. Ich hätte es nie für möglich gehalten, wie viele Gesprächskontakte sich durch dieses Bändchen ergeben haben, beispielsweise im Gedränge der U-Bahn oder in der Straßenbahn. So unterschiedliche Menschen, so viele unterschiedliche Glaubensbilder, aber einig im Wunsch nach gemeinsamer Mahlfeier!

Das Motto des ökumenischen Kirchentags lautete: damit ihr Hoffnung habt! Dies erinnert mich an das Lied in unserem Gesangbuch: „Hoffnung ist nicht nur ein Wort, Hoffnung, das sind Worte und Taten!“ Taten sollen und müssen also folgen auf diesen ökumenischen Kirchentag, auch hier in Stadtmitte Mönchengladbach. Als erstes werden wir mehr Gelegenheiten suchen, dass sich die evangelischen und die katholischen Christen gegenseitig besuchen. Und die Wortähnlichkeit zwischen suchen und besuchen ist beabsichtigt!

Ein erstes Zeichen der Gemeinsamkeit wird auch sein, dass wir in der nächsten Zeit in allen Gemeinden unserer Pfarrei und in den evangelischen Gemeinden neue Lieder lernen, die wir auf dem ökum. Kirchentag gemeinsam gesungen haben. Ich schließe mit dem Wunsch, den wir in Apostelgeschichte 2, Vers 4 lesen: „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ Möge der Geist Gottes in uns allen wirken – möge der Kirchentag in allen Gemeinden unserer Stadt erfolgreich weiterwirken!

Über die Autorin: Barbara Aurelio, Lehrerin am Gymnasium Bischöfliche Marienschule für die Fächer Deutsch und katholische Religion. Arbeitet in St. Vitus in unterschiedlichen Gremien ehrenamtlich mit.
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