Ein Beitrag von Angela Rietdorf
Denkanstöße: Kirche und Kunst im Dialog

Bereits gute Tradition in der Christuskirche sind zum Nachdenken anregende und zum Teil spektakuläre Kunstausstellungen während der vorösterlichen Passions- und Fastenzeit.

In diesem Jahr wird die Wickrather Künstlerin Maria Schmelzer ihre beeindruckenden Holzschnitte, die sich mit dem Thema Passion beschäftigen, ausstellen. Diese Ausstellung wird am 28. März, dem Palmsonntag, mit einem Gottesdienst und anschließender Vernissage eröffnet. Sie bildet für das erste Halbjahr 2010 den Abschluss der Reihe der Kunstandachten. Immer am Samstag vor dem letzten Sonntag des Monats fand während dieses Winters eine Kunstandacht in der Christuskirche statt. Im Januar beispielsweise setzen sich die Konfirmanden mit den Bildern der Gladbacher Künstlerin Irena Fasolo-Kulis aus­einander und beziehen sie auf die Thematik des Betens, mit der sie sich gegenwärtig im Rahmen ihres Unterrichts beschäftigen.

Am letzten Samstag des Februars stand bereits ein Holzschnitt von Maria Schmelzer im Mittelpunkt der Andacht. Auch hier – wie später während der Ausstellungseröffnung – liefern Texte des Rheindahlener Schriftstellers Wilhelm J. Gerhards und Musik des Saxophonisten Reiner Göbel weitere Denkanstöße.

Maria Schmelzer, die mit ihren Werken während der diesjährigen Passions- und Osterzeit in der Christuskirche präsent sein wird, ist seit zehn Jahren künstlerisch tätig. Nach schwerer Krankheit entdeckte sie eine Kunstform für sich, die sie zu einer ganz eigenen Ausdrucks form weiterentwickelte: die Technik des verlorenen Holzschnitts. Dabei wird eine Holzplatte in aufeinander folgenden Arbeitsgängen bearbeitet, Formen immer weiter ausgeschnitten und mit bis zu neun unterschiedlichen Farben bestrichen. Nach jedem Arbeitsgang wird ein Blatt im körperlich anstrengenden Handdruckverfahren bedruckt. Erst im letzten Arbeitsgang wird die Farbe Schwarz verwendet, so dass die Formen klar hervortreten.

„Man sieht während der Arbeit nicht gleich das Ganze“, erklärt die Künstlerin, „aber gerade dieses Verfahren liegt mir.“ Im Gegensatz zum klassischen Holzschnitt, der in der Kunst der 1920er Jahre Verwendung fand, legt Maria Schmelzer großen Wert auf die Farbigkeit ihrer Schnitte. Zu ihren Werken inspirieren lässt sie sich in letzter Zeit von den zeitkritischen Texten von Wilhelm J. Gerhards, die auch die Anregungen zu ihrer Passionsreihe liefern. „Es ist das erste Mal, dass ich nach Texten schneide“, sagt sie. „Ich muss die Aussage auf einen Punkt bringen, aber gerade das ist sehr anregend.“

In den etwa 20 farbigen Holzschnitten, die in der Ausstellung präsentiert werden, geht es um das Aufbrechen von Verhärtungen und das Warten auf Erlösung. Die Ausstellung wird zwei Wochen zu sehen sein. Im Herbst soll die Reihe der Kunstandachten mit einem Projekt fortgesetzt werden, das sich Book Writing nennt und bei dem die Betrachter Kunst aktiv mitgestalten können.

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