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Zahlensalat - ein wenig Statistik von Karl Hesse
„Hast du in der letzten Zeit auch so wenig Trauungen gehabt?“
 Mit dieser Frage von Pfarrer zu Pfarrer begann eine kleine Recherche, ob die wenigen kirchlichen Trauungen im Vergleich zu den Standesamtzahlen tatsächlich „gering“ sind oder nur eine gefühlte Größe, die dem Zahlenmaterial nicht stand hält.
Ein Anruf beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik brachte einen auskunftfreudigen Herrn Schmitz an den Apparat. Seine Zahlen informieren über die in gesamt Mönchengladbach vollzogenen Eheschließungen und Ehescheidungen. Quelle seiner Zahlen ist das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW. Die Zahlen aus dem kirchlichen Raum basieren auf dem Elektronischen Meldewesen e-Mewis und wurden von Frau Cohnen (Gemeindeamt) zügig erschlossen.
Einige Vorbemerkungen mögen den Umgang mit den Zahlen erleichtern und die Verfahrensweise verstehen helfen:
Bei den Eheschließungen auf dem Standesamt wird zwar die Konfession abgefragt, aber statistisch nicht weiter verarbeitet. Da die von Herrn Schmitz unterbreiteten Zahlen ganz Gladbach umfassen, unsere Vergleichszahlen aber nur den Raum des Gemeindeverbandes betreffen, wurden die Zahlen auf die Stadtbezirke Hardt, Stadtmitte, Volksgarten und Neuwerk umgerechnet. Da die Bezugsgrößen jeweils weit größer als 100 sind, ist es vertretbar, die Zahlen entsprechend des Bevölkerungsanteils umzurechnen.
An Trauungen sind lediglich diejenigen erfasst, die dann auch im Evangelischen Kirchenbuch eingetragen sind. Heraus fallen die Trauungen, die unter Mitwirkung evangelischer Pfarrer in katholischen Kirchen gefeiert wurden.
Die Ergebnisse der Berechnung der prozentualen Anteile sind jeweils gerundet.
Die bei den Überlegungen angeführten Zitate sind authentisch, aber nicht statistisch belegt und aufbereitet.
In Tabellenform kommt man zu folgendem Ergebnis:
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2000 |
2001 |
2002 |
2003 |
2004 |
Eheschließungen |
760 |
629 |
640 |
587 |
565 |
Ehescheidungen |
394 |
405 |
412 |
418 |
385 |
% Scheidung-Schließung |
51,8% |
64,4% |
64,4% |
71,2% |
68,1 |
Trauungen |
56 |
46 |
35 |
37 |
43 |
% Trauung – Schließung |
7,3% |
7,3% |
5,4% |
6,2% |
7,2% |
Einige Überlegungen zu den vorliegenden Zahlen:
In der Tendenz ist eine Abnahme an Eheschließungen und eine relative Zunahme an Scheidungen zu beobachten. Vergleicht man die Zahl der Eheschließungen mit den Bevölkerungszahlen, so wird eine Verringerung der Eheschließungen durch die Abnahme der Menschen im heiratsfähigen Alter von 20 – 40 Jahren erklärbar.
Eine relative Zunahme der Ehescheidungen hat mehrere Erklärungsmöglichkeiten: ihre relativ konstant bleibende Zahl geht einher mit einer Abnahme an Eheschließungen. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aber lag die Zahl der Eheschließungen noch deutlich höher. Da in der Regel Ehen nicht nach einem, sondern nach durchschnittlich 7 Jahren geschieden werden, ist diese Vergleichszahl höher, aber (leider) nicht statistisch untersucht.
Der Anteil der Trauungen ist, bezogen auf den Anteil der Evangelischen an der Bevölkerung, stabil auf niedrigem Niveau: Bei ca. 17% Anteil an der Gesamtbevölkerung sind nicht auch 17% der Paare bereit, neben der Standesamtlichen Hochzeit eine kirchliche Trauung zu feiern, sondern lediglich ca. 7% mit kleinen Schwankungen nach oben und unten. Das sind weniger als die Hälfte, oder umgekehrt: theoretisch könnten wir unsere Trauzahlen verdoppeln.
Dabei erscheint die Motivation, nicht kirchlich zu heiraten, vielfältig:
Da sind zum einen finanzielle Erwägungen („Wer kirchlich heiratet, muß groß feiern“), zum anderen die Rücksicht auf den Partner („Er hat mit Kirche nichts zu tun“). Da ist Unkenntnis bezüglich unserer Kirchenordnung (beim Taufgespräch des ersten Kindes nach drei Jahren Ehe: „ich wusste gar nicht, dass wir kirchlich hätten heiraten können, obwohl er nicht in der Kirche ist“) und eine Entfremdung vom Glaubensgrund für eine Ehe („Das ist Sache von uns zweien, was soll Gott da helfen“).
„Hast du in der letzten Zeit eigentlich auch so wenig Trauungen gehabt?“ fragt ein Pfarrer den anderen. „Statistisch betrachtet kaum mehr oder weniger als in den letzten Jahren“, antwortet der andere dem einen. „Und das ist schade. Denn Trauungen tun meiner Erfahrung nach dem Paar, der Familie und der Gemeinde gut. Sie können helfen, Beziehungen zu stabilisieren, stellen Kontakt zur Gemeinde her, machen Mut und sind ein wundervoller Auftakt eines fröhlichen Festes.“
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