Andacht Februar 2019

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll (Römerbrief Kapitel 8, Vers 18).

Woran leiden Sie gerade? Geldnot, Haarausfall, Wohnungslosigkeit, Dieselfahrverbot, Einsamkeit, Hunger in der Welt, verlorenes Spiel, Zerbrechen der Familie, Krankheit, Überfluss, Klimawandel, neue Müllgefäße, Fußpilz, Brexit, Glaubenskrise?

So bunt der Reigen ist, so ist er niemals vollständig. Und was für den einen ein Leidensgrund ist, stellt für den anderen noch lange kein Problem dar. So verschieden sind wir Menschen. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es keinen Menschen gibt, der nicht an irgendetwas leidet – andernfalls wäre er gefühllos und absolut egozentrisch.

Aber wenn ich den Monatsspruch Februar lese, muss ich schlucken. Klingt das nicht zynisch, wenn ich es einem Trauerenden sagen muss, der gerade seinen Liebsten verloren hat? Wenn ich es einem Menschen zurufe, den die Schmerzen in den Wahnsinn treiben? Wenn ich es einem ins Ohr hauche, der keinen Zugang mehr zu seinem eigenen Leben findet?

Nein, so einen Satz würde ich mich nicht trauen zu sagen. Wiewohl ich überzeugt bin, dass er stimmt. „Wir gehen ein in die himmlische Herrlichkeit“, das glaube ich fest. In der irdische Kategorien nichts mehr zählen, vor allem kein Leiden mehr an was auch immer.

Der Satz gewinnt für mich an Tiefe, wenn ich mir bewusst mache, wer ihn geschrieben hat. Der Apostel Paulus. Mit seiner bewegten Geschichte vom Christenhasser und -verfolger zum Missionar, ohne den wir alle keine Christen wären. Und der im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Leben für seinen Glauben eingestanden ist. Der dafür mehrmals im Gefängnis saß, im antiken Gefängnis, demgegenüber heutige Justizvollzuganstalten bei uns eher ein Zuckerschlecken sind, der mehrmals einen Schiffbruch erlitten hat und Folter. Der für mich als Vorbild kaum taugt, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich so viel Leidensbereitschaft für meinen Glauben vermutlich nicht aufbringen könnte. Gerade deshalb ist dieser Satz für mich aber wahr. Weil ihn einer geschrieben hat, der wirklich weiß, was Leiden bedeutet – sowie unser Herr Jesus Christus.

Als Seelsorger auf den Kopf zusagen – das würde ich nicht tun. Aber den Menschen in ihrer Krise beistehen, mit ihnen herausfinden, was für sie Trost ist, immer. Und das kann (am Ende) auch der Monatsspruch Februar sein – nicht als billige Vertröstung von außen (wie es in der Kirche leider lange Zeit missbräuchlich der Fall war, um die ungerechten Zustände hier auf Erden zu legitimieren), sondern als Glaubenssatz eines Christenmenschen.

Pfarrer Burkhard M. Kuban