Ein Beitrag von Angela Rietdorf
20 Jahre Neue Arbeit – Hilfe, die ankommt

An den Rand gedrängt, ohne Wohnung, ohne Perspektive, ohne Zukunft, von staatlichen Zuwendungen abhängig – vor zwanzig Jahren drohte eine stetig wachsende Gruppe von Menschen dauerhaft von staatlicher Hilfe abhängig zu bleiben.

Das Diakonische Werk entschloss sich zu helfen und rief mit der Neuen Arbeit ein Projekt ins Leben, das heute zu einem großen und modernen Unternehmen geworden ist, aber immer noch nur ein Ziel hat: Menschen, die mit vielfältigen Problemen zu kämpfen haben, den Weg zurück ins Arbeitsleben zu ermöglichen.

Begonnen hat alles im Haus Bungeroth. Dort werden 1989 einige kleine Haushaltswaschmaschinen aufgestellt und eine Wäscherei gegründet. Dreizehn Menschen finden bereits im Gründungsjahr Arbeit in diesem Projekt. Das Unternehmen hat Erfolg: schon im ersten Jahr kommen der Service „Wäsche auf Rädern“ , ein Angebot für pflegende Angehörige und Menschen mit Behinderung sowie ein Windelmietservice für umweltbewusste Eltern hinzu.

Das Unternehmen wächst, aber das ist auch nötig, denn auch die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen nimmt ebenfalls stetig zu. Heute, zwanzig Jahre nach der Gründung, arbeiten mehr als hundert Menschen in Wäscherei, Garten- und Landschaftsbau und dem Wilhelm-Kliewer-Haus, einem Jugendgästehaus im Hardter Wald. Hinzu kommen 40 Stammkräfte, die die unterstützungsbedürftigen Mitarbeiter betreuen. Diese Mitarbeiter kommen mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten zur Neuen Arbeit.

„Die meisten haben mit multiplen Vermittlungshemmnissen zu kämpfen“, erklärt Marion Schäfer-Henze, Abteilungsleiterin bei der Neuen Arbeit. Die Mitarbeiter haben Suchtprobleme, kommen aus der Haft, haben keine Ausbildung, sprechen kaum Deutsch oder sind schwerbehindert. Bei der Neuen Arbeit werden Menschen an die Arbeitswelt herangeführt, die vielleicht noch nie in ihrem Leben einer regelmäßigen Tätigkeit nachgegangen sind oder nachgehen konnten. Sozialarbeiter betreuen die Mitarbeiter. Kommt jemand morgens nicht zur Arbeit, wird er angerufen oder es fährt auch schon mal jemand hin, um nach dem Rechten zu sehen. „Wir haben natürlich einen viel höheren Krankenstand als andere Unternehmen“, sagt Marion Schäfer-Henze, „und wir müssen damit zurecht kommen, dass die Leistung der einzelnen stark schwankt.“

Auch die Motivation kann ein Problem sein, denn die Neue Arbeit kann nur den Mindestlohn zahlen. „Aber auch Anerkennung und die Möglichkeit, soziale Kontakte zu haben, sind für sehr viele Menschen Motivation zu arbeiten“, stellt Marion Schäfer-Henze fest. Dass Menschen, die in anderen Betrieben scheitern, bei der Neuen Arbeit durchhalten, stößt oft auf Verwunderung, weiß die Abteilungsleiterin. „Das liegt unter anderem auch daran, dass bei uns die Abläufe sehr stark automatisiert sind“, erklärt sie. „Die Mitarbeiter werden so nicht überfordert.“ So zahlt sich aus, dass, als die Neue Arbeit 2003 ihre neue Betriebsstätte im Hardter Gewerbegebiet bezieht, dort die damals modernste Wäscherei Deutschlands eingerichtet worden ist. 143.000 Kilo Wäsche pro Woche durchläuft heute die Waschstraßen und wird von den Mitarbeitern an der Mangel, der Presse, dem Finisher und in der Trockenabteilung bearbeitet.

Es sind die vier evangelischen Kirchengemeinden Mönchengladbachs, die über das Diakonische Werk Gesellschafter der Neuen Arbeit sind. „Wir wären nicht so weit ohne die engagierte Unterstützung der Gemeinden“, betont Marion Schäfer-Henze. Die Neue Arbeit stellt im Gegenzug ihre Tätigkeit in den Gemeinden und im Konfirmandenunterricht vor, um die diakonische Arbeit, den Dienst am Menschen, greifbar zu machen.

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