20 Jahre Zentrale Beratungsstelle für Frauen - Ein Beitrag von Angela Rietdorf
Der Hilfsbedarf wächst!

Mit 19 Jahren stand ich auf der Straße. Ich hatte wegen Mietschulden meinen Wohnung verloren. Auch die Schule schmiss ich hin...“ So beginnt der Bericht einer Klientin der Zentralen Beratungsstelle für Frauen. Er steht für viele ähnliche Schicksale und Lebensläufe. Frauen verlieren ihre Wohnung, ihren Job, ihre Familie – aus welchen Gründen auch immer – und wissen nicht mehr weiter.

Hilfe finden sie bei den Sozialarbeiterinnen der Beratungsstelle in der Oskar-Kühlen-Straße im Zentrum von Mönchengladbach. Seit 1990 gibt es die von der Diakonie betriebene Anlaufstelle. Im Laufe der Jahre ist die Zahl der Ratsuchenden ständig gewachsen: kamen anfangs etwa hundert Frauen, waren es im letzten Jahr schon über 250, die Rat, Hilfe und Unterstützung suchten.

„Wohnungslosigkeit tritt nicht allein auf“, weiß Sozialpädagogin Annette Hermenau, „sondern als Teil eines ganzen Bündels von Problemen.“ Und so wird erst mal abgearbeitet, was sich angehäuft hat, wenn die Frauen zur Beratungsstelle kommen: Gibt es Schulden? Ist eine Psychotherapie nötig? Gibt es eine Suchtproblematik? Und schließlich auch: Wo findet die Betroffene wieder eine eigene Wohnung und wie kann sie finanziert werden? Dann werden gemeinsam das Internet und die Zeitungen nach passenden Wohnungen durchforstet, Termine vereinbart und Kosten geklärt. Einige Frauen können auch direkt untergebracht werden. Die Beratungsstelle verfügt über sechs Plätze im Betreuten Wohnen, wo Frauen erst einmal Ruhe finden können, um sich zu orientieren. Auch die anfangs zitierte 19-Jährige kommt dort unter.

Sie erzählt weiter: „Mein Konto wurde von der Diakonie eingerichtet und Ratenzahlungen für meine Mietschulden aufgenommen. Ich musste erst mal lernen, mit Geld umzugehen.“ Obwohl sie zuerst alle Termine verpasst und Probleme mit Behörden hat, bekommt sie mit Hilfe der Beratungsstelle ihr Leben in den Griff. „Ich weiß, dass, wenn ich nicht die Hilfe von der Diakonie bekommen hätte, ich es nicht geschafft hätte. Ich bin sehr dankbar dafür“, schließt sie ihre Geschichte. Heute hat sie ihre Schulden bezahlt, lebt in einer eigenen Wohnung und hat einen Ausbildungsplatz in Aussicht.

Eine Erfolgsgeschichte, die auch die Beraterinnen motiviert: „Wenn ich sehe, dass die Klientinnen die vereinbarten Dinge umsetzen und wieder Fuß fassen, dann macht die Arbeit Sinn“, stellt Sozialarbeiterin Christine Neymeyer, die seit 17 Jahren in der Beratungsstelle arbeitet, fest.

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