Der Campanile der Christuskirche

Kein Geringerer als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. machte einst den Kirchbau zur Chefsache. Und er befand im fernen Berlin, daß der Kirche ein freistehender Turm gut zu Gesicht stünde, ein sogenannter Campanile. Das wollte sich der König sogar etwas kosten lassen, auch wenn es mit seiner Zahlungsmoral nicht gerade zum besten bestellt war: der versprochene Baukostenzuschuß traf reichlich spät ein. Bei der Grundsteinlegung war Seine Majestät übrigens persönlich anwesend.

Doch drohte eben jener Campanile fast ein Jahrhundert später zwangsweise abgerissen zu werden, da er vielen Volksgenossen als vermutlicher Zielpunkt der Feinde zur Beunruhigung diente, wie die Technische Nothilfe Mönchengladbach, Ortsgruppe Oberstadt, befand. Das Presbyterium hielt dagegen und versuchte sogar mit militärtaktischem Wissen zu beeindrucken: Als Zielpunkt für Feindangriffe ist er (der Turm) bisher offenbar auch nicht in Betracht gekommen ... Zudem lenkt doch die heutige Artillerie ihr Feuer auf Grund der modernen Zielmeßgeräte nicht mehr nach solchen Zielpunkten. Und das Presbyterium erhob laut Protokoll vom 13.10.1944 gegen das vorgetragene Ansinnen schärfsten Einspruch.

Gleichwohl blieb die Kirche nicht vom Bombenhagel verschont. Sie wurde in der Nacht vom 30. auf den 31. August 1943 bis auf die Sakristei, die Vorhalle und den Altartisch zerstört. Der Turm hatte vergleichsweise wenig abbekommen. Beim Wiederaufbau galt ihm auch verstärktes Augenmerk: Die Bedachung des Turmes und die Einsetzung der Fensterjalousien am Turm erscheint vordringlich, stellte das Presbyterium am 25.06.1948 fest. Warum? Etwa wegen der architektonischen Besonderheit des Turmes? Nicht in erster Linie. Es war einfach die baulich wie finanziell leichter zu überschauende und zudem dringendere Reparatur. In der nächsten Presbyteriumssitzung erinnerte nämlich Superintendent Weiß an die Sanierung mit dem Hinweis, dieses kleinere Vorhaben müßte zur Verhütung weiteren Schadens möglichst bald in Angriff genommen werden. (25.6.1948)

Gut 20 Jahre später stand der Campanile wieder in der Diskussion. Ob Altersschwäche oder nur Routineüberholung: er mußte saniert werden. Das bedeutete für den Glockenstuhl: zwei der drei Glocken wurden mit Beschluß vom 13. Januar 1969 in den vorläufigen Ruhestand geschickt. Zunächst soll nur die kleine Glocke weitergeläutet werden. Zunächst - ein Wort, das zur Beschreibung eines Zeitraums von mehr als drei Jahrzehnten taugte. Denn erst am 21.Oktober 2000 wurden 4 neue Glocken im Rahmen eines Glockenfestes in den Turm eingebracht.

Bronzeglocke fis,
O
11000 mm, 730 Kg, Inschrift: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebräer 13,8
Bronzeglocke gis,
O
980 mm. 510 Kg, Inschrift: Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16
Bronzeglocke h,
O
860 mm, 360 KG, Inschrift: Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist. Psalm 90,4
Bronzeglocke ciss,
O
720 mm, 255 kg, Inschrift: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Lukas 2,14
Gegossen von der Firma Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher

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