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| Ein Beitrag von Lothar Beckers Von Frankreich zu Preußen (1794-1835)
Die französischen Revolutionskriege führten 1794 zur Eroberung der linksrheinischen Gebiete. 1802 kam es in Gladbach im Rahmen der Säkularisation zur Auflösung der Abtei und damit zum Ende der Grundherrschaft des katholischen Abtes über die Stadt. Für die kleine reformierte Gemeinde bedeutete dies erstmals völlige Gleichberechtigung mit den Katholiken und uneingeschränkte Religionsfreiheit. Die napoleonische Wirtschaftspolitik (Kontinentalsperre, Schutzzollpolitik, Sperrung der rechtsrheinischen Gebiete als Absatzmärkte) verstärkte den schon einige Jahrzehnte vorher begonnenen Zuzug der meist protestantischen Textilfabrikanten und Facharbeiter aus dem Bergischen Land. Innerhalb weniger Jahrzehnte wandelte sich das Gesicht der Stadt von einer kleinen Ackerbauernstadt zu einem Industriezentrum, das schon bald als "Rheinisches Manchester" weltweit bekannt wurde. Der Zustrom vieler wohlhabender und bildungsorientierter protestantischer Familien wirkte sich befruchtend auf Wirtschaft, Politik und Kultur der Stadt aus. Die Protestanten Johann Peter Boelling (1808-1814), Matthias Brink (1814-1820), Heinrich Jakob Kühnhaus (1822-1844) und Theodor Croon (1875-1876) waren Bürgermeister der Stadt und teilweise der Landgemeinden. Boelling und Th. Croon waren zeitweilig Kirchmeister der Ev. Gemeinde Gladbach . Die 1803 gegründete "Gesellschaft" (heute " Gesellschaft Erholung") wurde von führenden Mitgliedern der protestantischen Gemeinde gegründet, ebenso ging die Einrichtung einer "Industrie- und Handelskammer" (1837) auf die Initiative protestantischer Fabrikanten zurück. Zu den Gründungsmitgliedern des "Wissenschaftlichen Vereins" (1849) gehörten ebenfalls zahlreiche Protestanten. Zur evangelischen Gemeinde Gladbach gehörten viele Familien, die oft über Generationen hinweg bis in die Gegenwart nachhaltige Spuren in der Stadtgeschichte hinterließen, u.a. Croon, Pferdmenges, Bornefeld, ter Meer, Schlafhorst, Busch, Hollweg, Quack, Langen, Königs, Pelzer, Wienands, Hütter und viele andere. Zum Ende der französischen Herrschaft hatte sich eine selbstbewußte reformierte Gemeinde gebildet, die bereits unter ihrem langjährigen Pfarrer A.W. Roelen (Amtszeit 1782- 1830) erste Bemühungen zum Bau einer neuen evangelischen Kirche im Zentrum der Stadt unternommen hatte. Teile der Benediktinerabtei und das 1802 aufgehobene Kapuzinerkloster auf dem Alten Markt konnten übernommen werden.
Der preußische König Friedrich Wilhelm III., dessen Verwaltung seit 1814 für das Rheinland zuständig war, hatte zunächst die nach französischem Vorbild eingerichteten Konsistorialkirchen, Gladbach gehörte seit 1803 zur Konsistorialkirche Krefeld, bestehen lassen. In den ersten Jahren der preußischen Herrschaft bildeten sich Kreissynoden und Kreisgemeinden. 1817 vereinigten sich die Konsistorialkirchen Krefeld und Odenkirchen, zu denen Rheydt und Wickrath gehörten, zur Kreissynode Gladbach. Im gleichen Jahre 1817 regte der preußische König den Zusammenschluss der Reformierten und Lutheraner zu einer Kirchenunion an. Die Gemeinde Gladbach schloss sich der unierten Kirche unter Wahrung ihres reformierten Bekenntnisstandes an. Die Vorstellungen des Preußenkönigs zu einer neuen Kirchenordnung und einer neuen Agende fanden keine Zustimmung im Rheinland und in Westfalen. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen trat am 5. März 1835 die "Kirchenordnung für die evangelischen Gemeinen der Provinz Westphalen und der Rhein-Provinz" in Kraft, nachdem der Erhalt der jahrhundertealten presbyterial-synodalen Strukturen weitgehend gesichert werden konnte. |
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