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| Ein Beitrag von Lothar Beckers Die Errichtung der dritten Pfarrstelle: Pfarrer Ludwig Weber und die evangelische Arbeiterbewegung Als Anfang 1880 die Gemeindegliederzahl auf 6062 gestiegen war, betrieben Zillessen und Rilke die Errichtung einer dritten Pfarrstelle, in die 1880 der am 2.4.1846 in Schwelm geborene Lizensiat D. Ludwig Weber gewählt wurde. ![]() Er hatte sich bereits in anderen Gemeinden einen Ruf als evangelischer Sozial-Reformer geschaffen, galt aber vielen Zeitgenossen als unangenehmer Mahner zur christlichen Verantwortung der Besitzenden gegenüber dem Elend und der Armut der Fabrikarbeiterklasse. Starken Einfluss hatten auf ihn die sozialpolitischen Ideen des auch von Zillessen hoch geschätzten Prof. Viktor Aimé Huber, der für genossenschaftliche Selbsthilfe, gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiter, Streikrecht, betriebliche Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung der Arbeiter eintrat. Eine enge jahrzehntelange Zusammenarbeit verband Weber mit dem konservativen evangelischen Sozialpolitiker Adolf Stoecker, der Hofprediger in Berlin war und zahlreiche Vereine gründete und anregte, die sich der sozialen Frage in all ihren Facetten widmeten. Weber untermauerte seine sozialen Reformbestrebungen mit wissenschaftlichen Studien. Für die Gladbacher Gemeinde mit ihrem hohen Anteil an Fabrikarbeitern war Weber der richtige Mann am richtigen Ort. Am 30.März 1881 trat Weber seinen Dienst in Gladbach an mit einer Predigt über 1. Kor. 1,30. Er gründete zahlreiche Vereine, die in der Stadt und auf höheren Ebenen sozialpolitische Reformen anregten und einforderten. 1889 gründete er den evangelischen Arbeiterverein in Gladbach, der bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung Bestand hatte. Die Kirche verstand Weber "als Gewissen des Volkes". Politisch trat er für eine soziale Monarchie und einen sozialen Staat ein. Bei seinem Engagement für christliche Volksbildung und Frauenbildung wurde er von seiner Frau Charlotte engagiert unterstützt. Der Deutsch-Evangelische Frauenbund und der Verein für christliche Volksbildung bildeten den institutionellen Rahmen für diese Aktivitäten. Obwohl Weber zeitweilig als "halber Sozialdemokrat" verschrieen war, hatte er in den 33 Jahren seiner Amtstätigkeit in der Gemeinde Gladbach immer die volle Unterstützung der kirchlichen Leitungsgremien, die fast ausschließlich aus Fabrikanten und anderen Unternehmern bestanden. Seine Forderung nach sozialer Verantwortung der Reichen und Mächtigen, die für ihn "Haushalter Gottes" waren, fand ihren Ausdruck in dem Satz: "Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert". Die evangelische Gemeinde und die Stadt Gladbach haben Ludwig Weber als einer der markantesten Gestalten der Diakonie und der Inneren Mission in Deutschland viel zu verdanken. Ludwig Weber starb am 29.1.1922 in Bonn. Die Stadt Mönchengladbach hat zu Ehren Ludwig Webers eine Straße nach ihm benannt, auf der sich das Bethesda Krankenhaus und das Ludwig-Weber- Altenheim befinden. |
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