Ein Beitrag von Lothar Beckers
Die Errichtung der zweiten Pfarrstelle:
Pfarrer Benno Rilke

1857 war die Gemeinde auf 3.300 Gemeindeglieder (lt. Kirchlichem Wochenblatt Nr.45 v.11.11.1900) angewachsen.

Da es zu den Amtspflichten des Pfarrers gehörte, mindestens einmal im Jahr bei jeder Familie der Gemeinde einen Hausbesuch abzustatten und die Häufung persönlicher und sozialer Probleme einen erheblichen Teil der Arbeitszeit des Amtsinhabers in Anspruch nahmen, beschlossen die Gemeindegremien, trotz der Skepsis des bisherigen alleinigen Amtsinhabers, eine zweite Pfarrstelle zu errichten, in die am 4.11.1856 Benno Rilke aus Nieder-Hartmannsdorf bei Sagan (Schlesien) gewählt wurde.

Er hatte in Breslau und Halle studiert, zunächst eine Hauslehrertätigkeit übernommen und seine theologische Ausbildung im Predigerseminar zu Wittenberg vollendet.

Zillessens anfängliche Skepsis wandelte sich sehr schnell zu einer herzlichen jahrzehnetelangen Freundschaft zwischen Amtsbrüdern. Von ihrem Naturell her waren beide sehr verschieden, in der Gemeindearbeit ergänzten sie sich trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ideal.

Rilkes Stärken lagen in einer gründlichen und tiefsinnigen Auslegung der Heiligen Schrift, die in seinen Predigten ebenso ihren Ausdruck fand wie in der Bibelarbeit mit der Gemeinde. In den 39 Jahren seiner Amtstätigkeit (Antrittspredigt 28.1.1857/ Abschiedspredigt 1.4.1896) war er ein Seelsorger, der Vertrauenswürdigkeit ausstrahlte und liebevolles Verständnis für die seelischen Nöte der ihm Anvertrauten hatte. Manche Beichte wurde bei ihm abgelegt, weil er in hohem Maße die Fähigkeit besaß, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und die Liebe und Gnade Gottes anderen zu vermitteln.

Obwohl Organisation und Verwaltung nicht seine Stärken waren, nahm er gewissenhaft und fleißig Funktionen als Presbyteriumsvorsitzender der Gemeinde und in der Kreissynode wahr. Besonders gerne widmete sich der Vater von zwölf Kindern den Kindern der Gemeinde im Konfirmandenunterricht und Religionsunterricht der Schulen. Von den neu gegründeten Vereinen lagen ihm besonders der Gustav-Adolf-Frauenverein und der Jungfrauenverein am Herzen. Still und freundlich, ernst und bedächtig, wirkte er ausgleichend und versöhnend, wo das Temperament mit anderen durchging. Wenn er seine Zurückhaltung aufgab, hatte sein Wort großes Gewicht.

Seine Gemeinde behielt ihn noch viele Jahrzehnte nach seinem Tode am 12.10.1900 in dankbarer Erinnerung.

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