Ein Beitrag von Werner Beuschel
Auf Spurensuche im Hans Jonas-Park
Ein Grabstein aus der Anfangszeit der Gemeinde


Lothar Beckers, Walter Witecka und Dieter Röhlen (von links nach
rechts) inspizieren die Grabplatte von Johanna Lüps

Den alten Grabstein, der mit der Ziegelmauer verwachsen zu sein scheint, lassen wir rechts liegen. Über ein paar Treppenstufen hinab streben wir dem anderen Stein entgegen. Vorneweg Dieter Röhlen. Der Bestattungsunternehmer kennt das Ziel der Expedition genau: „Da, dort vorne an der Mauer zwischen dem ganzen Efeu, da ist es.“

Lokaltermin im Hans Jonas-Park. Besichtigung des alten evangelischen Friedhofs. Genauer gesagt: Besichtigung des Restes der ehemaligen letzten Ruhestätte. Lothar Beckers, Presbyter der Christuskirchengemeinde und für das Archiv zuständig, kennt die Fakten und Zahlen: „Seit etwa 1610 wurden Grundstücke am Hondsberg, dem heutigen Fliescherberg, von der reformierten Gemeinde und den Wiedertäufern als Friedhof genutzt. Eine Pestepidemie machte 1636 eine Friedhofserweiterung notwendig. Die Wiedertäufer bestritten zwei Drittel und die Reformierten ein Drittel der Kaufsumme. Das spiegelt wohl die Größe der beiden Gemeinden wieder. Nach der Ausweisung der Wiedertäufer aus der Stadt 1654 waren die Reformierten alleinige Nutzer des Friedhofes.“

Jetzt stehen wir vor dem alten Stein. Um ihn richtig sehen zu können, reißt Steinmetz Walter Witecka das Efeu weg. Es hat schon einen Teil der hoch aufgerichteten Platte begrünt. Dieter Röhlen zeigt auf das alte Stück. „Das ist Eifeler Schiefer“, erklärt er. „Man hat wohl versucht die Platte zu stabilisieren, indem dafür die Betonauflage gegossen wurde.“ Lothar Beckers fährt fort: „Und hier, diese runden Schieferstücke, die im Beton ganz oben liegen, die gehören eigentlich woanders hin. Man hat wohl durch das Einbetonieren versucht, diese Wappen zu retten.“„Eigentlich ist das gar kein Grabstein“, klärt Dieter Röhlen auf. Und der 62jährige präzisiert: „Es handelt sich um eine Liegeplatte, wie sie bei Grababdeckungen üblich war. Es würde mich nicht wundern, wenn hier eine komplette Grabanlage war. Vielleicht sind ja sogar noch Reste einer Gruft zu finden.“ Weiß man etwas über den Menschen, für den vor Jahrhunderten die Platte gefertigt wurde? Walter Witecka deutet auf das umlaufende Schriftband. „Sehen Sie hier die Buchstaben? Da stehen auf der einen Seite die Buchstaben AVSN GENANT LVPS und auf der anderen Seite DES ALTERS XXXVIII IAHR.“

Jetzt ist der Fachmann für die Gemeindegeschichte gefragt. Und Lothar Beckers sprudelt förmlich los: „Das ist die Grabplatte von Johanna Lüps. Die Buchstaben sind der Rest einer Inschrift. Sie benennt die Verstorbene, nämlich Johanna Herminghausen genannt Lüps. Und die Inschrift sagt, dass sie im 38. Lebensjahr gestorben ist.“ Johanna Herminghausen genannt Lüps? „Sie war die Tochter von Peter Lüps“, fährt Beckers fort, „und der war ein führendes Mitglied der Gladbacher Reformierten. Geboren wurde Johanna Herminghausen am 15. Oktober 1652, und sie starb am 6. März 1690. In erster Ehe war sie mit einem Rheydter Pfarrer verheiratet, der 1677 starb. Dann heiratete sie Johann Peter Herminghausen, der fast 66 Jahre Pfarrer der Gladbacher Gemeinde war. Er war übrigens der erste Gladbacher Pfarrer, der in einer gemeindeeigenen Kirche predigte. Die alte evangelische Kirche, die damals nur außerhalb der Stadtmauer gebaut werden durfte, wurde ja 1684 fertig gestellt.“

Herminghausen, dieser Name war mir bisher nicht geläufig. Ein anderer Name schon. Nämlich Lüps. Diese Buchstabenkombination sehe ich, wann immer ich mir den Abendmahltisch in der Christuskirche anschaue. Ursprünglich stand dieser Tisch in der alten evangelischen Kirche, die es schon längst nicht mehr gibt. Und dieser Tisch wurde gestiftet von Jan Lüps, dem Bruder der Johanna: ein Großkaufmann, der wirtschaftliche Kontakte sogar bis nach Russland hatte.
Zwei der ältesten Stücke der Gemeinde haben ein würdiges Zuhause. Der Abendmahlstisch steht in der Christuskirche, die Glocke des damals so genannten Predigthauses befindet sich in der Friedenskirche. Ein drittes Erbstück steht vernachlässigt im Hans Jonas-Park. Kopfüber im Boden. „Schauen Sie mal“, ruft mich Walter Witecka heran und deutet auf Profile im Stein, „das hier sind Kelche oder Vasen mit Blumen. Aber das kann man nur erkennen, wenn man den Kopf entsprechend dreht.“

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