Ein Beitrag von Lothar Beckers
6. Oktober 1683: Pfarrerwahl bei den Gladbacher Reformierten

Fenster in der alten KircheViele Jahrzehnte waren seit der letzten Wahl eines eigenen Pfarrers der Reformierten vergangen. Der brandenburgisch-pfälzische Religionsvergleich von 1672 hatte der kleinen, etwa 50 Familien ( ca. 250 Gemeindeglieder) zählenden Gemeinde das Recht auf freie und öffentliche Religionsausübung zugesichert. Erst im Dezember 1682 ermöglichten Durchführungsbestimmungen die Umsetzung des 10 Jahre vorher getroffenen Vergleiches. Die Reformierten in Gladbach bekamen am Heiligabend 1682 vom Rat der Stadt die Baugenehmigung für ein Predigthaus mit neuem Friedhof, Schulgebäude und Lehrerwohnung auf dem Hondsberg außerhalb der Stadttore und in angemessener Entfernung zum nahegelegenen katholischen Friedhof. Am 3. Januar 1683 fand der erste Gottesdienst auf dem Baugrundstück im Baumgarten neben dem alten Friedhof statt. Am 10. Januar erfolgte die erste Taufe.

Mehrere Versuche der Reformierten, einen Pfarrer für ihren Neuanfang zu finden, waren bereits fehlgeschlagen. Am 6. Oktober 1683 war es dann endlich so weit. Die Gemeinde wählte unter Leitung des Rheydter Pfarrers Arnold Loers einen jungen Prediger aus Siegen zum Pfarrer. Es handelte sich um Johann Peter Herminghausen (geb. 1658 in Netphen), der erste Erfahrungen im Pfarrdienst in Brienen bei Kleve (1680/81) und als Adjunktus (Hilfsprediger) seines Vaters Adolph Herminghausen, der Pfarrer in Siegen war, sammeln konnte. Am 1. November 1683 wurde er durch den Inspektor der III. Klasse der Jülicher Provinzialsynode, Pfarrer Weyermann aus Jüchen, in sein Amt eingeführt.

Die Gladbacher Gemeinde war zum Zeitpunkt seines Amtsantrittes verarmt und auf  Unterstützung der wenigen wohlhabenden Familien der Gemeinde, sowie Spenden von außen angewiesen. Ein kleiner finanzieller Grundstock für die geplanten Bauten war bereits durch Sammlungen des verstorbenen Rheydter Pfarrers Pittenius d. Jüng. in brandenburgíschen und niederländischen Gemeinden geschaffen worden. Im Dezember 1683 beschloss das Konsistorium, weitere Kollektensammlungen durch den Pfarrer, die Ältesten und Diakone in der näheren und weiteren Umgebung durchzuführen. Bis Aachen, Duisburg, Düsseldorf, Kleve, Moers, das Bergische Land und die Niederlande führten die Reisen der Kollektensammler. Zahlreiche Sachspenden innerhalb und außerhalb der Gemeinde, sowie viele freiwillige Arbeitsleistungen der Gemeindeglieder ermöglichten bereits 1684 die Fertigstellung des neuen Predigthauses.

Der Abendmahlstisch
Der Abendmahlstisch in der Christuskirche

Herminghausen fühlte sich schnell in Gladbach heimisch. Durch seine Ehe mit Johanna Lüps (geb. 15.10.1652), der Witwe des Rheydter Pfarrers Pittenius d. J., trat er in verwandtschaftliche Beziehungen zu den führenden Familien der Gladbacher Reformierten.  Die Familien Lüps und Irmen betrieben große Handelshäuser in Amsterdam und engagierten sich erfolgreich im Russland- und Ostindienhandel. Jahrzehntelang unterstützten Angehörige dieser Familien die Gladbacher Gemeinde. Der Abendmahlstisch, der noch heute in der Christuskirche steht, wurde von Jan Lüps, einem Bruder der Johanna, gestiftet. Johanna Lüps starb kurz nach der Geburt ihres fünften gemeinsamen Kindes am 6.3.1690. Herminghausen heiratete anschließend noch zweimal(1695 – Sara Timmermanns, die nach wenigen Monaten verstarb, 1697 - Catharina Margaretha Heukelhoven, die Tochter des Sittarder Bürgermeisters).

Innerhalb der Gemeinde hatte Herminghausen neben dem Predigeramt viele Aufgaben zu bewältigen. Die Ausstattung der Kirche, die Aufsicht über die reformierte Schule, die Finanzierung des Lehrergehaltes nahmen viel Zeit in Anspruch. Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde um die knappen Sitzplätze in der Kirche oder um die Anschaffung neuer kostspieliger Psalmbücher musste Herminghausen schlichten. Ein Wohnhaus für den Pfarrer wurde 1703 gekauft. Ein neues Schulhaus innerhalb der Stadt musste 1727 aus Gründen der Sicherheit angeschafft werden.

Das Verhältnis zu den katholischen Äbten, die Grundherren der Stadt waren,  und ihren Anhängern war von Spannungen geprägt. Wiederholt musste Herminghausen Beschwerden („Gravamina“) wegen gewaltsamer Übergriffe katholischer Randalierer an die Obrigkeit richten. Fensterscheiben in der Schule am Hondsberg wurden eingeworfen, Lehrer und Schüler wurden bedroht und misshandelt. Reformierte Gemeindeglieder, die als Mitglied der Bruderschaften an katholischen Prozessionen teilnahmen und nicht niederknieten, wurden verprügelt. In einem Fall war sogar eine Katholikin, die einen Reformierten heiraten wollte und deshalb einen Konfessionswechsel beabsichtigte, entführt und gefangen gehalten worden.  1716 wurden die Reformierten aus der Krämer- und Schneiderzunft, der sie über 100 Jahre angehört hatten, ausgeschlossen. Auch eine Mitwirkung im Rat der Stadt wurde ihnen verwehrt.

Die alte Kirche
Die alte Kirche auf dem Hondsberg

Herminghausen übte in der III. Klasse der Jülicher Provinzialsynode wiederholt das Leitungsamt des Inspektors aus. In  der Jülicher Provinzialsynode und in der Generalsynode bekleidete er weitere wichtige Leitungsämter. 1704 wurde er auf der Generalsynode zu Hamm zu deren Präses gewählt. Vielfältige Kontakte führten ihn immer wieder in die Niederlande, wo er Spendengelder der holländischen Glaubensbrüder und –schwestern für die Gemeinden des Herzogtums Jülich sammelte. Die Prediger der Provinzialsynode Jülich wurden von ihm in das niederländische Predigerbuch eingetragen. In den Niederlanden kaufte er auch das vermutlich als Altersruhesitz gedachte Adelsgut Elsenpaß bei Bommel.

1738 wurde er emeritiert und ihm ein Hilfsprediger bis zu seinem Tode zur Seite gestellt. Am 8. Mai 1749 verstarb diese bedeutende Persönlichkeit der  reformierten Kirchengeschichte im 91. Lebensjahr nach fast 66 Dienstjahren. Ein Porträtbild dieses Mannes liegt uns nicht ( oder nicht mehr?) vor.

Service
Sie bereiten sich auf die Taufe oder die Konfirmation Ihres Kindes vor? Sie haben Eheschliessung und Trauung vor sich? Sie suchen Anregungen, Beispiele, Texte für die Gestaltung der Gottesdienste? Dann schauen Sie doch einmal in den Bereich Service.
Historisches
Beiträge zur Geschichte der evangelischen Gemeinden finden Sie hier. Neu ist ein Beitrag von Monika Hüttenberger zur Geschichte des evangelischen Friedhofs.

Dienste der Gemeinden
Die Seelsorge im Krankenhaus stellt sich vor!
Impressum und Feedback
Teilen Sie uns Ihre Anregungen und Ihre Kritik mit. Helfen Sie uns, diese Website besser zu machen. Der Austausch mit Ihnen ist uns wichtig. Weiter


Gottesdienste

Hinweise zu Ort und Zeit der Gottesdienste, zu den Predigern und den Themen.
Strassenverzeichnis
Sie sind neu zugezogen? Sie wissen nicht zu welcher Gemeinde Sie gehören? Das Strassenverzeichnis hilft Ihnen weiter!


Termine

Veranstaltungshinweise aus den Gemeinden.