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Ein Beitrag von Lothar Beckers
1937 wurde von den Naziführern Hitler und Goebbels eine Kampagne gegen die so genannte „Entartete Kunst“ initiiert. Innerhalb von wenigen Tagen wurden etwa 16.000 moderne Kunstwerke aus den deutschen Museen beschlagnahmt. Eine Auswahl von 650 Kunstwerken wurde anlässlich der berüchtigten Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in München diffamiert und angeprangert. Zu den 1937 beschlagnahmten Sammlungen gehörten auch 69 Werke aus der Gladbacher Sammlung Kaesbach, sowie vier weitere, von denen eines eine Leihgabe der Evangelischen Gemeinde München-Gladbach war. Es handelte sich dabei um ein expressionistisches Ölgemälde des Düsseldorfer Kunstprofessors Werner Heuser (1880 – 1964) mit dem Titel „Christus am Ölberg“. Werner Heuser gehörte zur Künstlergruppe „Junges Rheinland“ und hatte wiederholt Motive der christlichen Religion thematisiert. Auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ war sein Gemälde „Taufe“ von 1919 als Beispiel für sogenannte „Verfallskunst“ gezeigt worden. 1937 wurde er aus seinem Amt als Kunstprofessor in Düsseldorf vertrieben. Das Heuser-Gemälde „Christus am Ölberg“ wurde zusammen mit den übrigen Kunstwerken von der Spedition Knauer in Gladbach abgeholt, in Depoträumen gelagert und später in einem Ost-Berliner Lagerhaus zusammen mit den übrigen in deutschen Museen beschlagnahmten Kunstwerken untergebracht. Der dreiste Diebstahl des im Eigentum der Evangelischen Gemeinde befindlichen Gemäldes, das mit einem Versicherungswert von 2.000 Reichsmark taxiert worden war, wurde durch ein von Hitler und Goebbels unterzeichnetes Gesetz nachträglich am 31. Mai 1938 gut geheißen. Vier Kunsthändler wurden mit dem Verkauf der staatlichen „Beuteaktion“ beauftragt. Werke, die für den Verkauf bestimmt waren, wurden im Schloss Niederschönhausen aufbewahrt, der Rest im Hof der Berliner Hauptfeuerwehr verbrannt. Die Mehrzahl der geraubten Kunstwerke wurde verramscht. Etwa 125 Werke wurden kurz vor Kriegsbeginn durch die Galerie Fischer im Grand Hotel National in Luzern versteigert. Von der beschlagnahmten Gladbacher Sammlung, die mit einem Versicherungswert von fast 70.000 Reichsmark taxiert worden war, sind 1941 der Stadt als Entschädigung 1.450 Reichsmark als Barerlös aus dem Verkauf überwiesen worden. Von 72 der 73 beschlagnahmten Kunstwerke sind kleinformatige Negative im Stadtarchiv vorhanden. Nur von dem widerrechtlich beschlagnahmten Heuser-Gemälde „Christus am Ölberg“ existiert weder ein Foto noch eine Spur über den Verbleib des verschollenen Werkes. Ob die Evangelische Gemeinde nach 1945 Anstrengungen unternommen hat, ihr Eigentum zurückzuerlangen, ist uns nicht bekannt. Der Künstler Werner Heuser wurde 1946 erster Nachkriegsdirektor der Düsseldorfer Kunstakademie. Seine lebenslange Auseinandersetzung mit christlichen Themen setzte er nach dem Kriege fort. 1956 schuf er unter anderem das Gemälde „Auferstehung“. |
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