Ein Beitrag von Lothar Beckers
Die ersten reformierten Prediger in Gladbach

Erstmalig im Herbst 1567 erschienen die Calvinisten in der Gesetzgebung des Herzogs von Jülich. Die Beamten erhielten Anweisung sogenannte „Feld- und Heckenpredigten“ zu unterbinden und „Busch- und Winkelprediger“ gefangen zu setzen. Reformierte Prediger konnten in katholischen Gebieten nur im Verborgenen ihren Amtspflichten nachkommen. Freie und öffentliche Religionsausübung war nur möglich in den wenigen landständischen Adelsherrschaften, die sich der Reformation angeschlossen hatten.

Auf der Synode zu Emden (4. bis 14. Oktober 1571) wurden Beschlüsse gefasst, die die Einheit des westeuropäischen Calvinismus garantierten. Die Basis der reformierten Kirchenorganisation bilden nach Calvins Auffassung die Gemeinden, die von Gott gewollte und geschaffene Einrichtungen zur Verkündigung seines Wortes sind. Jesus Christus ist das Haupt der Kirche. In Glaubensfragen ist die Gemeinde nur ihm und nicht der Obrigkeit verantwortlich. Die Gemeinden werden von Presbyterien (Konsistorien) geleitet. Stadt und Kirchspiel Gladbach bildeten innerhalb der Kölnischen Klasse gemeinsam mit Viersen, Süchteln, Dülken, Kempen, Kaldenkirchen, Bracht, Brüggen, Waldniel und (Rhein-) Dahlen das Gladbacher Quartier. Oberste Instanz waren bis 1610 die niederländischen Nationalsynoden. Die Entsendung von Predigern an den Niederrhein wurde über den kurpfälzischen Kirchenrat in Heidelberg abgewickelt.

Der erste namentlich bekannte Prediger im Gladbacher Quartier war Henrich Dibbetz, genannt Hervelt aus den Niederlanden. Er war 1533 zu Herrevelt im holländischen Friesland geboren und 1566/67 vor den Spaniern nach Köln geflüchtet, wo er heimlich predigte. 1572/73 war er für das Gladbacher Quartier tätig. Er muss eine bedeutende Persönlichkeit mit großer organisatorischer und diplomatischer Begabung gewesen sein. Er war Mitverfasser der Ordnung des Klassenkonvents von 1573 (Synode zu Birkesdorf) und gehörte zu den führenden Mitgliedern der Synoden bis 1578. Dem Kurfürsten von der Pfalz erstattete er 1576 Bericht über die bedrängte Lage der Reformierten im Jülicher Land. Das Gladbacher Quartier hat er anscheinend bis zum Frühjahr 1573 bedient. Er starb im Alter von 80 Jahren im Jahre 1613 im niederländischen Doesberg (Gelderland), wo er bis 1598 als Prediger gewirkt hat.

Die meisten Prediger des Gladbacher Quartiers übten ihr Amt nur kurze Zeit aus. Auf den Synoden sind die Bitten des Gladbacher Quartiers um einen neuen Prediger häufig. Mit Johannes Plange wird dem Gladbacher Quartier der erste deutsch-reformierte Prediger zugewiesen, von dem mehr bekannt ist. Er stammte aus der Nähe von Soest und kam 1579/80 an den Niederrhein, wo er zunächst im Neuenhovener Quartier tätig war. Ab 1580 wirkte er zusätzlich im Gladbacher Quartier, das er mit einer Unterbrechung bis Oktober 1586 betreute. Seine Amtszeit wird überschattet vom sogenannten Kölnischen oder Truchsessischen Krieg (1582/89), bei dem die Spanier im Rheinland besonders brutal gegen die Reformierten und ihre Prediger vorgingen. Plange musste ein Gebiet von mehreren Hundert Quadratkilometern versorgen, in dem die Gemeinden weit auseinanderlagen. In abgelegenen Häusern, die Sicherheit boten, wurde getauft und gepredigt. Die Austeilung der Sakramente und die Leitung der Konsistoriumssitzungen gehörten ebenso zu seinen Aufgaben wie die Überwachung des Gemeindelebens und die Schlichtung von Streitigkeiten unter Gemeindegliedern. Die Ältesten übernahmen viele Aufgaben wie Katechismusunterricht für die Erwachsenen, Armen- und Krankenpflege, kurze Andachten, Bibelarbeit und Bibellesungen, gemeinsame Gebete und regelmäßige Besuche bei den Gemeindegliedern. Plange musste seinen Dienst im Gladbacher Quartier aufgeben, weil er vor den Verfolgungen seiner Gegner nicht mehr sicher war und in Gebieten, in denen die Spanier sich befanden, um sein Leben fürchten musste. 1587 war er Verfasser einer noch erhaltenen Kirchenordnung, die für das Neuenhovener und wohl auch Gladbacher Quartier Geltung hatte. Ende des Jahres 1600 stirbt Plange.

Bis 1591 mussten Prediger aus Nachbarquartieren und Gemeinden die Gladbacher mitbetreuen. Zu erwähnen ist besonders der spätere langjährige Rheydter Prediger Caspar Wachendorff, der 1591 das Quartier mit dem Ältesten Thewus Peipers aus Gladbach auf der Synode vertritt.

Der Prediger Mathias Havius ist von 1591 bis 1598 für die eng miteinander verbundenen Quartiere von Neuenhoven und Gladbach zuständig. Nach seinem Weggang hatten sich die Reformierten in Stadt und Kirchspiel Gladbach eng an die öffentliche Gemeinde in Rheydt unter Caspar Wachendorff angeschlossen und den Beschluss gefasst, mit ihr „ein corpus“ zu sein. Von 1601 bis 1609 waren noch mehrere Prediger im Gladbacher Quartier tätig.

Mit dem Tode des letzten Herzogs von Jülich-Kleve-Berg am 25. März 1609 endet die Zeit der Quartiere. Die lutherischen Fürstenhäuser von Brandenburg und Pfalz-Neuburg treten die Erbfolge an und einigen sich am 27. Mai 1609 auf eine gemeinsame Verwaltung. In den Reversalen vom 4. und 14. Juli 1609 wird den Landständen handschriftlich und unter Eid und Siegel die Religionsfreiheit zugesagt.

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