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Beginn einer fruchtbaren ökum. Zusammenarbeit - ein Beitrag von Lothar Beckers In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen den Evangelischen und Katholischen in Gladbach nicht ungetrübt. Bestenfalls konnte man von einer mehr oder weniger friedlichen Koexistenz sprechen. Konflikte zwischen den Konfessionen beispielsweise in der Schulpolitik und der Mischehenfrage sowie das fehlende diplomatische Geschick des katholischen Oberpfarrers Bischoff (Amtszeit 1825 bis 1846) verhinderten ein größeres Aufeinanderzugehen der beiden christlichen Gemeinden.
Die Armenpflege lag zu dieser Zeit in den Händen der Kirchengemeinden. Für die reiche protestantische Gemeinde, die relativ wenige Unterstützungsbedürftige hatte, war die Armenhilfe ein geringes Problem. Die katholische Armenpflege, die erheblich mehr Arme zu versorgen hatte, stand 1846 trotz städtischer Zuschüsse kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch. Tatkräftig und mit organisatorischem Geschick stellte der katholische Pfarrer Halm sich den vorgefundenen sozialen Problemen. Er aktivierte seine Gemeinde zu sozialem Engagement und scheute dabei nicht davor zurück, Kontakte zu seinem evangelischen Amtsbruder Otto Zillessen (Amtszeit 1835 bis 1885) aufzunehmen. Die Missernten in den Jahren 1846 und 1847 erforderten ein schnelles Handeln der Verantwortlichen, um die Armen in der Stadt vor dem Verhungern zu retten. Der Übergang von der kirchlichen zur städtischen Armenpflege auf Steuerbasis war noch nicht organisiert. Eine Erhöhung der personifizierten Klassensteuer hätte vor allem die reichen Protestanten getroffen und kurzfristig keine Behebung der akuten Notsituation bedeutet. So kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt zu einer gemeinsamen Hilfsaktion der beiden christlichen Gemeinden unter Führung ihrer Pfarrer. Um Neujahr 1847 wurde von den besser gestellten Bürgern beider Konfessionen die Gladbacher Suppenanstalt eingerichtet. Suppenkarten wurden gedruckt, die an die Armen verteilt wurden. Die Suppe bestand aus Knochenbrühe, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Gewürzen und Fett oder einer Spur Schweinefleisch. Die Evangelischen steuerten 391 Taler zum Anfangskapital der Anstalt bei; die Katholiken brachten nur 43 Taler zusammen. Dennoch verteilten die Pfarrer Halm und Zillessen unabhängig von der Konfession kostenlose Suppenkarten an die Bedürftigen. Die Fabrikanten und Honoratioren der Stadt zeigten großen persönlichen Einsatz. Sie kauften persönlich die Lebensmittel ein, verteilten Suppenkarten, während ihre Frauen die Suppen zubereiteten und ausgaben. Schon nach kurzer Zeit war der Andrang zur Suppenausgabe so groß, dass man die Ausgabezeiten verlängern musste. Mitte Mai 1847 waren bereits 18.023 Mahlzeiten an zuletzt über 400 Personen ausgeteilt worden. Die Generalversammlung der Suppenanstalt beschloss, am 20. Mai in Lüpertzend eine zweite Suppenanstalt zu errichten. Da die Lebensmittelpreise sanken und die Einkommen anstiegen, konnte einige Wochen später die Gladbacher Suppenanstalt geschlossen werden. Über einen Zeitraum von sieben Monaten hatten die beiden christlichen Gemeinden in einer logistischen Meisterleistung 60.345 Portionen Suppe an durchschnittlich 400 Bedürftige pro Tag ausgeteilt. Der Schlussbericht der Gladbacher Suppenanstalt vom 11. September 1847 dokumentierte den Beginn einer fruchtbaren ökumenischen Zusammenarbeit in karitativen und sozialen Fragen. Die in dieser Zeit entstandenen herzlichen persönlichen Verbindungen zwischen den Amtsinhabern der beiden Konfessionen hatten auch unter ihren Nachfolgern dauerhaften Bestand bis in die Gegenwart.
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